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Wiener Opern : Alles für die Liebe

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Stardust Memories: Rebecca Nelsen ist eine melancholische Marilyn Monroe voller Schattenseiten Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Britisches Doppel in Wien: Während die Inszenierung von Benjamin Brittens „A Midsummer Night’s Dream“ um Aktualität bemüht ist, schwelgt Gavin Bryars’ „Marilyn Forever“ in sentimentalen Erinnerungen.

          Britische Musik ist nicht sonderlich präsent in Österreich. Selbst etliche Opern Benjamin Brittens wurden szenisch noch nie hier gezeigt. Umso erstaunlicher, dass nun gleich zwei Opern britischer Komponisten Premiere hatten in Wien: Die eine, Brittens „A Midsummer Night’s Dream“ am Theater an der Wien, stammt aus dem zwanzigsten Jahrhundert; die andere, Gavin Bryars’ „Marilyn Forever“ als europäische Erstaufführung an der Wiener Volksoper, aus unserer Gegenwart. Auch wenn die Stoffe der beiden Werke wenig gemein haben – Bryars schuf eine Hommage an Marilyn Monroe; Britten hielt sich an William Shakespeares „Sommernachtstraum“ –, verbindet sie doch im Innersten die Sehnsucht nach Liebe und die Suche nach Glück.

          In der eigenwilligen Lesart des italienischen Regisseurs Damiano Michieletto wird aus Brittens nächtlichem Liebesverwirrspiel allerdings eine Tragödie. Im Zentrum seiner Inszenierung steht nämlich ein traumatisierter Junge, der sich hinter der Maske von Puck verbirgt, um sich in eine andere, von geisterhaften Elfen bevölkerte Welt zu träumen und so den öden Schulalltag zu vergessen, wo er ein verlachter Außenseiter ist. Bühnenbildner Paolo Fantin baute einen nüchternen Umkleideraum mit Spinds und Ablagen auf die Bühne, der sich durch eine verschiebbare Rückwand schließlich in einen Turnsaal mit Sprossenwänden, Seilen und Langpferd verwandelt. Eine kleine Bühne auf der Bühne dient später sowohl für die Elfen- als auch die Rüpelszenen, wobei letztere von älteren Schülern und nicht von Handwerkern gespielt werden.

          Fast so wie das Original: Gavin Bryars Marilyn, wie sie zur Zeit an der Volksoper in Wien zu sehen ist

          Bis auf Theseus (Güneş Gürle) und Hippolyta (Ann-Beth Solvang), offenbar Lehrer an dieser Schule, und das Elfenkönigspaar sind alle Beteiligten in blau-weiße Schuluniformen gekleidet. Vom Schulalltag heben sich Oberon und Tytania ab, die der Kostümbildner Klaus Bruns in etwas altmodische Straßenbekleidung steckt. Das Rätsel der beiden wenig elfenhaften Figuren wird erst am Ende gelöst: Da sieht man in einem Video, wie das Ehepaar blutend in einem Autowrack liegt, beobachtet von den entsetzten Augen des kleinen Puck. Als Pyramus im Schauspiel der Schulkameraden seinen sinnlosen Tod stirbt, beginnt sich der Junge weinend daran zu erinnern, dass seine Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen. Oberon und Tytania, in der Imagination von Puck wieder zum Leben erweckt, verschwinden nun im Reich der Toten.

          Der falsche Ort für Turnsaal-Atmosphäre

          So weit, so bemüht. Wie schon in anderen Inszenierungen, man denke etwa an seinen Salzburger „Falstaff“ im Altersheim, versucht der Regisseur Michieletto auch dem „Sommernachtstraum“ eine neue Rahmenhandlung zu verleihen. Das hätte beim originalen Schauspiel vielleicht funktionieren können, doch in der Oper steht seinem Konzept die Musik Brittens entgegen: Zauberhafte Glissandi der Streicher, die in luftige Höhen entschweben, und silbrige Klänge des Glockenspiels entführen in eine schwerelos scheinende, sinnliche Welt, der die schweißtriefende Atmosphäre des Turnsaals ernüchternd entgegensteht. Einige fluoreszierende Stäbe, Bühnennebel und Seifenblasen reichen da nicht aus, um jene Verwandlung sichtbar zu machen, die Britten in delikaten Instrumentierungen vermittelt. Bedenkt man, dass dem Komponisten ein Akrobat als Darsteller der Sprechrolle des Puck vorgeschwebt war, dann wird umso deutlicher, dass sich Michieletto mit der allzu blassen Maresi Riegner als verstörtem Jungen auch um das komödiantische Zentrum der Oper bringt.

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