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Bamberger Symphoniker : Ein böhmisch-deutscher Klang

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Die Bamberger Symphoniker, hier mit dem Dirigenten Finnegan Downie Dear Bild: Bamberger Symphoniker

Professionalität und Seele: Heute werden die Bamberger Symphoniker fünfundsiebzig Jahre alt. Zur Feier läuft das Jubiläumskonzert im Fernsehen, im Radio und als Stream.

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          Kunstsinnig war Bamberg schon immer, musikalisch erst, seitdem es die Symphoniker gibt. In den fünfundsiebzig Jahren seiner Existenz aber hat das Orchester mächtig aufgeholt, das klingende Defizit wettgemacht und die Bamberger Symphoniker neben dem Bamberger Reiter fest etabliert. Sichtbares Weltkulturerbe und hörbare deutsche Orchesterkultur für die Welt gehen in der Stadt an der Regnitz seither Hand in Hand. Das ist allemal ein Grund zum Feiern. Leider aber kann es nicht in der Form geschehen, die man dafür gern hätte. Die Pandemie erlaubt kein Wunschkonzert, und so findet das Jubiläumsfest zum 75. Geburtstag heute Abend vor den Bildschirmen und im Livestream statt.

          Nicht einmal dem Chefdirigenten Jakub Hrůša ist es vergönnt, das Orchester, das er nun schon seit fünf Jahren erfolgreich leitet, an diesem Tag durch Beethovens Partituren zu führen. Verschärfte Einreisebedingungen für Tschechien und Quarantäne hindern ihn daran, Prag zu verlassen.

          Unter der Schirmherrschaft von Markus Söder

          Immerhin hat man mit Christoph Eschenbach kurzfristig einen Dirigenten engagieren können, der das Orchester schon lange kennt. Seit 1977 stand er nahezu zweihundert Mal dort am Pult und ist mittlerweile einer der wenigen Ehrendirigenten der Bamberger. Das Konzert stellt im Übrigen eine Reminiszenz an das erste Konzert des Orchesters am 20. März 1946 im großen Zentralsaal in Bamberg dar, das seinerzeit vom Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München, Bertil Wetzelsberger, als Gast geleitet wurde; mit Beethovens dritter Leonoren-Ouvertüre, dem Violinkonzert und der siebten Symphonie. Nur die siebte ist jetzt durch die dritte Symphonie ersetzt worden. Solist des Konzerts, das unter der Schirmherrschaft von Markus Söder steht, ist der polnischstämmige Däne Nikolaj Szeps-Znaider.

          Fünfundsiebzig ist schon ein respektables Alter. Mit Fug und Recht aber kann das Orchester auf 234 Jahre Vorgeschichte verweisen. Dazu hat man vor einiger Zeit in Bamberg Ahnenforschung betrieben und die Vorfahren der Symphoniker ausfindig gemacht: in jenem nur achtzehn Musiker starken Orchester des Prager Ständetheaters, das am 29. Oktober 1787 Mozarts „Don Giovanni“ uraufgeführt hat. Dieser Klangkörper ist die Basis des Opernorchesters des 1888 eröffneten Neuen Deutschen Theaters gewesen, der heutigen Staatsoper in Prag, das wiederum die Keimzelle des Deutschen Philharmonischen Orchesters wurde. Von diesem Orchester gehörten nach dem Krieg nicht weniger als einundzwanzig Musiker zu den Gründungsmitgliedern der Bamberger Symphoniker.

          Wenn nun bisweilen von der geballten deutsch-tschechischen Musikalität dieses Orchesters gesprochen wird, in dem sich Professionalität und Seele verbinden, so lässt sich das Lob schon aus der langen Traditionslinie herleiten. Der Münchner Musikkritiker Karl Schumann sprach etwas weniger pathetisch, eher listig von einem „böhmisch-deutschen Mittelgebirgsstil“, wenn es um den Klang der Bamberger Symphoniker ging. Wie auch immer: Heute Abend kann man sich hörend eine eigene Meinung bilden.

          Bamberger Symphoniker: Jubiläumskonzert läuft am 18. März um 20.15 Uhr im Fernsehen auf ARD-Alpha, im Radio auf BR-Klassik und im Livestream auf www.br-klassik.de/concert.

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