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55. Berliner Theatertreffen : Regisseurin Karin Henkel erhält Theaterpreis Berlin

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Bis zum 21. Mai sind beim Theatertreffen die „bemerkenswertesten“ Inszenierungen der Saison aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen. Bild: dpa

Am ersten Wochenende des Berliner Theatertreffens wird Karin Henkel mit dem Theaterpreis geehrt. Frank Castorf inszeniert „Faust“ – und alle reden über die Zukunft der Volksbühne.

          Zu Beginn des 55. Berliner Theatertreffens ist die Regisseurin Karin Henkel mit dem Theaterpreis Berlin geehrt worden. Henkel nahm die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung der Stiftung Preußische Seehandlung für ihre Verdienste um das deutschsprachige Theater am Samstag entgegen.

          Die aus Köln stammende Henkel arbeitet seit den Neunzigerjahren an großen deutschsprachigen Bühnen. Sie untersuche in ihren Inszenierungen konsequent die Grundbedingungen sozialen Zusammenlebens, erklärte die Jury. Beim diesjährigen Theatertreffen zeigt die Regisseurin ihr am Schauspielhaus Zürich entstandenes, mythologischen Drama „Beute Frauen Krieg“. Sie spendete ihr Preisgeld dem Berliner Verein „Háwar“ und dessen Projekt „Back to Life“ für jesidische Frauen, die Opfer der Terrormiliz Islamischer Staat wurden.

          Sieben Stunden Faust

          Frank Castorf und das Team der Volksbühne hatten das Festival am Freitag mit einer siebenstündigen „Faust“-Inszenierung eröffnet. Zu sehen waren unter anderem Martin Wuttke als Faust, Marc Hosemann als Mephistopheles und Sophie Rois als Hexe. Das Goethe-Werk war Castorfs letzte große Regiearbeit an der Berliner Volksbühne, bevor er seinen Posten als Intendant nach 25 Jahren räumen musste. Sein Nachfolger, der Belgier Chris Dercon, trat nach Kritik bereits vergangenen Monat wieder zurück.

          Theatertreffen-Leiter Daniel Richter erklärte: „Nicht nur die besondere Lesart des 'Faust' macht die Inszenierung so bestechend“. Der Abend bilde noch einmal das ab, was die Castorf-Ära geprägt habe: „Die fantastischen Schauspieler mit ihrer Volksbühnen-Spielweise, die sehr expressiv und körperlich ist.“ Festspiel-Intendant Thomas Oberender verglich das ehemalige Volksbühnen-Team in seiner Eröffnungsrede mit einer Mannschaft, die 25 Jahre gemeinsam zur See gefahren sei. Nun heiße es für das in alle Winde verstreute Ensemble: „Für eine Fahrt brauche ich euch nochmal!“

          Bei der zweiten Theatertreffen-Premiere am Samstagabend stand die Schauspielerin Nina Hoss im Mittelpunkt. Sie spielte die Hauptrolle in der Theaterfassung von Didier Eribons Bestseller „Rückkehr nach Reims“, die der Künstlerische Leiter der Berliner Schaubühne, Thomas Ostermeier, auf die Bühne brachte. Über lange Passagen des Stücks las Hoss Ausschnitte aus dem autobiografischen Essay des französischen Soziologen über dessen Auseinandersetzung mit aus der Arbeiterschicht stammenden Vater vor.

          Bis zum 21. Mai sind beim Theatertreffen die „bemerkenswertesten“ Inszenierungen der Saison aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen. Zu den eingeladenen Bühnen gehören die Münchner Kammerspiele, das Thalia Theater Hamburg, das Theater Basel, das Wiener Burgtheater und das Deutsche Schauspielhaus Hamburg. Das Festival endet mit der Vergabe des Alfred-Kerr-Darstellerpreises für junge Schauspieler.

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