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Zum Tode Elizabeth Jane Howards : Männer lagen ihr zu Füßen

  • -Aktualisiert am

Elizabeth Jane Howard (1923 - 2014) Bild: picture-alliance / United Archiv

Die „Cazalet Chronicles“ über das britischen Großbürgertum waren ihre Geschichte und ihre Erfahrung zugleich. Zum Tod der Schriftstellerin Elizabeth Jane Howard.

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          Schriftsteller schrieben mit schärferem Verstand, als sie lebten, behauptet Martin Amis in jener Passage seiner Erinnerungen, die erzählt, wie die Ehe seines Vaters Kingsley mit der bildschönen Schriftstellerin Elizabeth Jane Howard zerbrach. Während er beobachtete, wie der Haushalt auseinanderfiel, habe er stets gedacht: „Wenn sie doch bloß Abstand nehmen könnten, wenn sie es stattdessen schreiben könnten, dann würden sie wohl sehen...“

          Gina Thomas
          (G.T.), Feuilleton

          Diese Distanz, die ihr in den stürmischen Jahren mit Kingsley Amis fehlte, hat Elizabeth Jane Howard nach der Trennung zu einer früheren Phase ihres Lebens gefunden. Als sie schon in ihren Siebzigern war, begann sie die „Cazalet Chronicles“ zu schreiben – 2013 veröffentlichte sie mit neunzig Jahren den fünften Band –, in denen sie die durch den Zweiten Weltkrieg herbeigeführten gesellschaftlichen Veränderungen festhalten wollte.

          Autodidaktin und Erzieherin

          Die Schilderung des Schicksals von drei Generationen einer großbürgerlichen Familie von 1937 bis 1957 enthält viel Autobiographisches aus Kindheit und Jugend. In diesen Büchern kommt der „eindringliche Verstand“ zum Tragen, den Martin Amis seiner Stiefmutter beimisst. Er hat sie nicht nur als die interessanteste Schriftstellerin ihrer Generation neben Iris Murdoch gewürdigt, sondern auch als seine literarische Erzieherin, die sich seiner Schulung deswegen so energisch angenommen habe, weil sie als Autodidaktin den eigenen Mangel an Bildung schmerzlich empfand.

          Die Männer lagen der dreifach verheirateten Howard zu Füßen. Arthur Koestler, Laurie Lee und Cecil Day Lewis zählten zu ihren Verehrern. Sie pflegte ihre Freundschaften und liebte die häuslichen Dinge, die ihr im ländlichen Suffolk neben der täglichen Schreibroutine Trost spendeten. Am Donnerstag ist Elizabeth Jane Howard im Alter von neunzig Jahren gestorben.

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