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Zum Tod von Nadine Gordimer : Sie war die Chronistin des Umbruchs in Südafrika

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Als politische Schriftstellerin sah sich Nadine Gordimer nie, das wäre ihr zu einfach gewesen. Der Chronistin des Umbruchs ging es um die Beziehungen von Menschen untereinander, die in die Politik eingebettet sind. Es beschäftigte sie das Verhältnis von Eltern und Kindern, sie interessierte sich für Freundschaft und Verrat, Schwächen und Enttäuschung. Dabei waren ihre Romane vielgestaltig. Zu ihren bekanntesten zählen „Burgers Tochter“ von 1979, den sie als ihr Lieblingswerk bezeichnete, und „July’s Leute“ von 1981, in dem sich nach einer Revolution das Herrschaftsverhältnis von Schwarz und Weiß umdreht, sowie der Roman „Der Besitzer“, der 1974 mit dem renommierten Booker-Preis ausgezeichnet wurde.

Verbindung zu Deutschland

Sie habe sich nie mehr zu Hause gefühlt, berichtete sie, als wenn sie als Zeugin vor Gericht zugunsten schwarzer Freunde aussagte, die des Hochverrats angeklagt waren. Nadine Gordimer fühlte sich als Afrikanerin. Sie erwog - anders als etwa der zweite südafrikanische Literaturnobelpreisträger John Coetzee - niemals, auszuwandern. Als vollkommenes Glück empfand sie das Schweigen über dem Buschland. Bei solchen Worten wurde ihr kühler Charme sanft. In einem ruhigen Johannesburger Vorort wohnte sie inmitten von Büchern, Blumen und Kunst. Die äußerliche Distanz dieser Meisterin der stillen Töne beruhte nicht zuletzt auf Selbstschutz: Sie suchte Ruhe, um auf ihrer Reise-Schreibmaschine vormittags mehrere Stunden täglich zu schreiben. Schreiber, sagte sie bei einem Besuch in ihrem kleinen Arbeitszimmer, seien nun einmal selbstsüchtig und schwierig.

Ihre Bindung an Deutschland kam durch ihren zweiten Mann, den 2001 verstorbenen Kunsthändler Reinhold Cassirer. Dass die Tochter jüdischer Auswanderer ihn, der 1935 vor den Nationalsozialisten nach Südafrika geflohen war, kennenlernte, bezeichnete sie als „zweite Geburt“. Er habe ihr eine größere Welt geöffnet. Seinen Tod nach 47 Jahren Ehe hat sie nicht verwunden. Sie stiftete einen nach ihrem Mann benannten Preis für junge Maler. Sie war es, die Cassirer überzeugte, seine Heimatstadt Berlin zu besuchen. Berlins Rückbesinnung auf die Kunsthändler-, Philosophen- und Unternehmerfamilie Cassirer in jüngerer Zeit hat ihr gefallen.

Mit ihrem Sohn Hugo Cassirer drehte Nadine Gordimer einen Film, der die Städte Berlin und Johannesburg miteinander verflocht. Parallelen sah sie in den Mauern, die die Menschen in beiden trennten - äußere in Berlin und innere in Johannesburg; und in Ernüchterungen nach dem Fall der Mauern zur fast selben Zeit Ende 1989. Ihre Weimaraner-Hündin, mit der sie gelegentlich unter violetten Jacaranda-Bäumen in Parktown-West entlanglief, nannte sie Tilla - nach der Schauspielerin Tilla Durieux. Einen Band mit Gedichten ihres Lieblingslyrikers Rainer Maria Rilke hatte sie griffbereit. Fremdlinge in ihrer geliebten Heimat: Das galt für ihren Mann in Berlin und vielleicht auch für Nadine Gordimer in Südafrika.

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