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Gudrun Zapf von Hesse : Modern, nicht modisch

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Typographin Gudrun Zapf-von Hesse im Gutenberg-Museum in Mainz. Bild: Marcus Kaufhold

Ihre berühmte „Diotima“ goss sie noch in Blei, erst 1984 hielt der Apple Einzug: Zum Tod der Typographin und Buchgestalterin Gudrun Zapf von Hesse.

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          Nur ein kleiner Teil der Leserschaft macht sich wohl beim Lesen dieser Zeitung darüber Gedanken, aus welcher Schrift die Textzeilen gesetzt sind, aber vermutlich wissen doch einige, dass sie „Times“ heißt, eine der heute populärsten Schriften, die Stanley Morison 1931 für die gleichnamige britische Tageszeitung entworfen hatte. Frauen gab es unter den Schriftgestaltern damals nur wenige. Eine davon war Gudrun von Hesse.

          1918 in Schwerin geboren, begann sie nach Kindheit und Jugend in Potsdam sowie Lehrjahren in Weimar ihre Karriere 1941 zunächst als Buchbinderin in Berlin, 1946 zog es sie dann an die weltbekannte Schriftgießerei Bauer in Frankfurt am Main. Ihr erster eigener Entwurf, die von Hand in Messing geschnittene „Hesse Antiqua“, gelangte noch nicht an die Öffentlichkeit. Erst um 1950 entwarf Gudrun von Hesse mit der „Diotima“ eine Schrift, die in Blei gegossen und so von Schriftsetzern und Druckern verwendet werden konnte. Unter Designern ist dieser Schritt so bedeutend wie eine Erstveröffentlichung in der Verlagswelt.

          1955 heiratete Von Hesse den Typographen Hermann Zapf (1918 bis 2015) und beendete – typisch für jene Zeit – vorübergehend ihre Karriere. Dennoch entwarf Gudrun Zapf von Hesse in dieser Phase mehr als vierzig Einbandentwürfe für die Bonner Buchgemeinde und ein Alphabet für das amerikanische Unternehmen Hallmark Cards. Erst in den achtziger Jahren folgten zahlreiche neue Entwürfe für Schriftenhäuser in Berlin, Hamburg und Boston – inzwischen nicht mehr aus Metall, sondern digital. Die Zapfs waren einer der wenigen deutschen Haushalte, die 1984 von Apple einen kostenlosen Macintosh Computer erhielten.

          Schrift „Diotima“: bis heute auf jedem der dunkelgrünen Faber-Castell-Bleistifte zu sehen.

          Die „Diotima“ blieb Zapf von Hesses größter Hit: In den Achtzigern war diese Schrift bei Opel im Einsatz, später bei Faber-Castell (sie ist bis heute auf jedem der dunkelgrünen Bleistifte zu sehen). Die Gestalterin selbst begründete den anhaltenden Erfolg ihrer Schriften einmal damit, dass sie „einfach nicht modisch waren“. Anlässlich ihres hundertsten Geburtstags wurde ihr erster Schriftentwurf, die „Hesse Antiqua“, digitalisiert und nach siebzig Jahren doch noch veröffentlicht. Am vergangenen Freitag ist Gudrun Zapf von Hesse in Darmstadt, wo sie seit 1972 lebte, im Alter von 101 Jahren gestorben.

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