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Zukunft der Buchbranche : Es bleibt kein Stein auf dem anderen

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Michael Krüger, Jahrgang 1943, ist seit 1968 bei Hanser, seit 1986 Verlagschef Bild: Cordula Giese

Die wichtigste Neugründung auf dem deutschen Buchmarkt ist Hanser Berlin. Elisabeth Ruge, die das Programm verantwortet, und Hanser-Verleger Michael Krüger verraten im F.A.Z.-Gespräch ihre großen Pläne.

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          Der Hanser Verlag ist mit Sanssouci, Nagel und Kimche, Zsolnay und zuletzt Deuticke stetig gewachsen. Jetzt steht mit Hanser Berlin eine neuerliche Erweiterung an. Herr Krüger, ist das Ihre Strategie, um in einem sich rasant verändernden Markt zu überleben?

          Michael Krüger: Mittlerweile kommen achtzig Prozent aller literarischen Neuerscheinungen und Sachbücher aus drei Konzernen: Holtzbrinck, Bertelsmann, Bonnier. Diese Konzerne verfügen über eine enorme Distributionskraft. Sie stehen einem Buchhandel gegenüber, der nach wie vor - zumindest in Teilen - individualistisch denken muss. Es gibt insgesamt maximal vierzig bis fünfzig Titel pro Saison, die wirklich durchgesetzt werden können. All die andere enorme imaginative Anstrengung kann nicht entlohnt werden. Das heißt, da sitzt jemand und arbeitet und arbeitet, und wenn er nicht auf dieser Lichtung angekommen ist, wo die Sonne scheint und jemand sagt, der ist preiswürdig und gut, bleibt es dunkel um ihn. Andererseits ist diese Imagination ja da, sonst würden die Leute nicht schreiben.

          War das früher anders?

          Krüger: Vor vierzig Jahren, als ich anfing, war das vollkommen anders. Da gab es zwei Handvoll Leute, die vom Schreiben gelebt haben. Heute sorgen die Lesereisen, die Preis- und Stipendienstruktur dafür, dass viele seriöse Autoren einigermaßen überleben können. Bei Hanser haben wir in langen Jahren geduldiger Aufbauarbeit immerhin etwas geschaffen, wo man sagen kann: Was aus diesem Verlag kommt, das taugt meist etwas. Aber auf der Plattform, auf der wir uns bewegen, geht mehr als ein gutes Drittel der Verkäufe über die Ketten plus Amazon. Von den circa zweitausend vor dreißig Jahren noch existierenden freien Buchhandlungen haben viele aufgegeben. Der im Vergleich zu anderen europäischen Ländern immer noch substantielle Rest bekommt nach wie vor pro Herbst vier- bis fünftausend Romane und Sachbücher angeboten. Darum brauchen wir zur Auswahl erstens eine gute Literaturkritik und zweitens die beste Ausbildung für den Buchhandel. Was wir hier tun können, ist, für gute Bücher sorgen, damit das, was ich TV-Romane nenne, die seriösen Bücher nicht ganz verdrängt. Und dafür braucht man eine etwas größere Plattform. Es kann ja nämlich auch einmal vorkommen, dass Autoren gerade nicht ihre verkäuflichsten Bücher schreiben. Und wenn man plötzlich ein Programm mit lauter erstklassigen Nebenwerken von wunderbaren Autoren hat, dann kann es bei einem Verlag unserer Größe passieren, dass man in eine Klemme kommt. Aber wir müssen am Jahresende eine ausgeglichene Bilanz vorlegen.

          Inwiefern hilft dabei die Größe?

          Krüger: Man kann besser ausgleichen. Denn unser Hanser-Programm wollen und können wir nicht vergrößern. Es gibt viele drängende Fragen im Buchgeschäft. Und bei deren Beantwortung muss man schnell sein, damit man dem Fortschritt nicht immer von hinten in den Nacken guckt. Die Frage lautet: Wo steht ein mittelständisches Unternehmen wie wir in zehn Jahren?

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