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Eine Geschichte aus der DDR : Rechnen, um im Knast nicht durchzudrehen

  • -Aktualisiert am

„Ich war da wie in Trance“: Wolfgang Hünerbein. Bild: Jügler

Eine Geschichte aus dem Jahr 1970: Ein Junge wird in der DDR festgenommen. Was hat er verbrochen, wie ging man mit ihm um? Und wie blickt er heute darauf zurück?

          9 Min.

          Wolfgang Hünerbein hat eine Idee. Dass sie sein Leben radikal verändern wird, ahnt der damals Fünfzehnjährige nicht. An einem Nachmittag im Herbst des Jahres 1969 trennt er ein paar Dutzend Blätter aus seinen Schulheften heraus, auf die er Parolen schreibt: „Organisiert euch!“, „Freiheit für alle!“ und so weiter. Er wirft sie in seinen Rucksack, marschiert los und erreicht schließlich ein abgelegenes Waldstück. Dort hängt er die Flugblätter an Äste, lässt sie einfach auf den Boden fallen oder legt sie unter morsches Holz. Pünktlich zum Abendessen ist er wieder zu Hause. Ein paar Monate lang darf Wolfgang noch ein Kind wie jedes andere sein, dann nimmt das Unglück seinen Lauf.

          Die ehemalige sowjetische Besatzungszone und die DDR haben es zusammen auf eine Viertelmillion politische Gefangene gebracht. Wolfgang Hünerbein war einer von ihnen. Über den Weg läuft er mir im Zuge der Recherchen für meinen neuen Roman. Ich selbst wurde 1984 in Halle geboren und erinnere mich kaum an die DDR. Was ich dennoch habe, sind Fragen. Also besorge ich mir Wolfgangs Telefonnummer, und wir vereinbaren ein Treffen bei ihm daheim im sachsen-anhaltinischen Allstedt. Wie wird aus einem Kind ein Klassenfeind? Wie ist die Stasi ihm damals auf die Schliche gekommen? Und wie lebt es sich heute mit dieser Vergangenheit?

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