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Gedanken eines Totengräbers : Wie viel Bernhard steckt im Baum?

  • -Aktualisiert am

Der Mensch lebt nur in der Erinnerung der anderen weiter: Grabsteine auf dem Grinzinger Friedhof in Wien. Bild: Imago

Von Thomas Bernhard über das „Grableuchten“ bis zur Luxuskonservierung: Gedanken eines Totengräbers über das menschliche Verschwinden. Ein Gastbeitrag.

          7 Min.

          Friedhof. Grinzing. Die Gräber sind an diesem nebeligen Morgen schneebedeckt und nur noch an ihren Konturen erkennbar. Das Weiß überall. Es sind noch dreißig Minuten bis zum Begräbnis. Alles ist hergerichtet. Der Sarg liegt auf der Tumba, und die Kerzen brennen. Mit meiner Jause gehe ich den Hügel hoch und biege vor einer Baumreihe ein. Ich wische einen Schriftzug frei, der einen Namen zu erkennen gibt: Thomas Bernhard.

          ***

          „Wie lange dauert es, bis ein Mensch verschwindet?“ Seit ich einen Roman über meine Arbeit als Totengräber veröffentlicht habe, wird mir bei jeder Lesung diese Frage gestellt. Um wahrheitsgetreu zu antworten, muss ich etwas weiter ausholen. Wie so vieles ist es ein Komplex an Fakten, die alle berücksichtigt werden müssen: Körpermaße und Fettschicht, Kleiderbeschaffenheit, vor allem Polyesteranteil, Sargmodell und Holzart, Erdkonsistenz und Feuchtigkeitsgrad sowie Bepflanzung in der unmittelbaren Umgebung.

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