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„Wickerts Bücher“ : Auch der Hund heißt Uli

Bücherfreund Wickert Bild: NDR

Ein bißchen zuviel auf einmal: Ulrich Wickerts Literatursendung „Wickerts Bücher“, die gestern erstmals regulär lief, ist auf eine fast schon vormedial wirkende, altmodische Weise sympathisch.

          2 Min.

          Sympathisch war „Wickerts Bücher“ durchaus: Ab 22.45 Uhr, also zu einer noch sehr passablen Sendezeit am frühen Spätabend des gestrigen Mittwochs, unterhielten sich fünf Menschen eine halbe Stunde lang zivilisiert über Literatur. Um genau zu sein: Unterhalten hatten sich der Moderator Ulrich Wickert, die Erzählerin Katharina Hacker, die Autoren Ilija Trojanow und Martin Suter sowie Felicitas von Lovenberg, Literatur-Redakteurin dieser Zeitung, bereits am späteren Nachmittag - draußen, auf dem Gelände der Frankfurter Buchmesse, das die Kamera bisweilen in den Blick nahm, war es noch hell, herrschte noch Geschäftigkeit.

          Jochen Hieber
          Freier Autor im Feuilleton.

          Daß wir, die Fernsehzuschauer, des Gesprächs erst einige Stunden später teilhaftig wurden und daß der produzierende ARD-Sender, der Nordeutsche Rundfunk, nichts unternahm, um uns ein Pseudo-Live-Erlebnis zu suggieren, sondern seine Nachmittagshelle umstandslos in unser Nachtdunkel schickte - auch das war auf eine fast schon vormedial wirkende, jedenfalls altmodische Weise sympathisch.

          Zum ersten Mal Normalbetrieb

          Es war gestern, um genau zu bleiben, bereits die dritte Sendung von „Wickerts Bücher“ - während der Leipziger Buchmesse des vergangenen Frühjahrs hatte die Premiere stattgefunden, zu Anfang September hatte Wickert aus höchst akutellen Anlaß Günter Grass über dessen Autobiographie „Vom Häuten der Zwiebel“ und die darin enthaltene Enthüllung der SS-Vergangenheit befragt. Nun also zum ersten Mal so etwas wie Normalbetrieb nach Betriebsanleitung. Und wie sieht die bei „Wickerts Bücher“ aus? In einem Gespräch mit dieser Zeitung vor knapp zwei Monaten hatte der Moderator darauf eine sehr schlichte, also aufs neue sympathische Antwort parat: „Die Idee ist, daß wir mit Autoren über ihre Bücher reden und über Bücher, die ihnen gefallen.“ Kurz gesagt: Das Konzept ist offen, bietet Raum für Varianten und Veränderungen von Mal zu Mal.

          Der gestrige Versuch wollte in der kurzen Zeit etwas zuviel. Ilija Trojanow sollte uns anhand seiner „Gebrauchsanweisung für Indien“ in wenigen Minuten das Gastland der diesjährigen Buchmesse nahebringen, mit Katharina Hacker und ihrem Roman „Die Habenichtse“ sollten uns Weltbild und Gefühllage der jüngeren Generation offenbar werden - und mit Martin Suters „Der Teufel aus Mailand“ sollten wir auf Wunderberge steigen und in existentielle Tiefen stürzen. Für all dies hätte die Zeit wohl gar noch gereicht.

          Warnungen vor schlechten Büchern

          Hinzu kamen jedoch einige Warnungen vor überschätzten oder einfach schlechten Büchern - etwa vor John Updikes Roman „Terrorist“ oder „Das Wetter vor 15 Jahren“ von Wolf Haas -, hinzu kam aber vor allem eine Fülle an Buchempfehlungen, die angesichts der Blitzesschnelle, in der sie ausgesprochen wurden, auch schon wieder an unseren Ohren vorbeigerauscht waren. Und daß es sich bei Sybille Bedfords Buch „Treibsand“, das Felicitas von Lovenberg vorstellte und zu Recht rühmte, um eine Autobiographie, um „Erinnerungen einer Europäerin“, handelte, erhuschten unsere Augen gerade noch, als der Band seine Kürzestkür vor der Kamera drehte.

          Bevor Ulrich (genauer: Uli) Wickert am Ende den nächsten Sendetermin verkündete - es wird der 2. November sein -, verriet er uns rasch noch, daß der Hund des Helden in Tim Parks' neuem Roman ebenfalls Uli hieße. Wir dürfen, notgedrungen ebenfalls blitzschnell, hinzufügen, daß dieses Buch keineswegs nur deshalb sehr zu empfehlen ist.

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