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Versteckspiel um J.K. Rowling : Wen der Kuckuck ruft

  • -Aktualisiert am

Wieder auf sicherem Erzählterrain: Joanne K. Rowling als Krimiautorin Bild: ASSOCIATED PRESS

Die „Sunday Times“ hat einen pseudonym veröffentlichten Krimi von Joanne K. Rowling enttarnt. Die Harry Potter-Autorin dürfte es verschmerzen können. Es ist übrigens nicht ihr schlechtestes Werk.

          Eigentlich war es der Tag, an dem das Königskindlein das Licht der Welt erblicken sollte. Wie zum Trost und um den ungeduldigen Untertanen das erzwungene Weiterwarten zu versüßen, kam an diesem Sommersonntag stattdessen eine andere britische Neuigkeit an die Weltöffentlichkeit: der neue Roman von J. K. Rowling. Nur war in diesem Fall die prominente Herkunft streng geheim gehalten worden.

          Bereits im April war „The Cuckoo’s Calling“ erschienen, das Krimidebüt eines gewissen Robert Galbraith, von dem es zwar kein Bild gab, es aber hieß, er habe Erfahrungen bei Militär und Sicherheitsdiensten gesammelt. Die „Sunday Times“ brüstet sich nun, das Pseudonym gelüftet zu haben, nachdem dem Rezensenten der Krimi als „bemerkenswert gekonntes“ Debüt aufgefallen war. Aber nicht bei jedem gut geschriebenen Debüt muss gleich ein großer Name dahinterstecken, noch dazu, wenn es sich um einen Krimi handelt, ein Genre, dem es an guten Federn nicht mangelt.

          Auch wenn die Enthüllung jetzt als Sensation gefeiert wird, gab es auch unliterarische Spuren: Nicht umsonst haben Rowling und Galbraith denselben Agenten und ebenso wenig zufällig ist das Buch bei Sphere erschienen, einem Imprint von Little, Brown, wo Rowlings letzter Roman herauskam. Der deutlichste Hinweis aber lag wie ein Kuckucksei schon im Titel.

          Von der Erwartungslast befreit

          Möglicherweise hat aber auch der Umstand, dass von dem Debüt des Unbekannten innerhalb von drei Monaten lediglich fünfzehnhundert Exemplare verkauft wurden, bei der jetzigen Enttarnung eine Rolle gespielt, insofern irgendjemand irgendwo fand, es sei Zeit, an diese Zahl ein paar Nullen dranzuhängen. Ohnehin halten sich Geheimnisse im Literaturbetrieb nicht lange, zumal sowohl der Lektor wie der Agent natürlich die wahre Verfasserin kannten.

          Wie auch immer, schon Rowlings Reaktion zeigt, dass die Enttarnung von Anfang an zu ihrem Versteckspiel gehörte. Sie habe gehofft, so die Schriftstellerin, das Geheimnis „noch ein Weilchen länger“ für sich behalten zu können, denn Robert Galbraith zu sein sei eine „so befreiende Erfahrung“ gewesen. Zwar dürfte es nun ebenfalls befreiend sein, zum Start der Sommerbuchsaison zu erleben, wie das eigene Buch die Bestsellerlisten hochschießt. Was die Autorin aber meint, ist das unaufgeregte Erscheinen eines Werks von ihr ohne das übliche - und von ihr natürlich sanktionierte - Brimborium aus frenetischer öffentlicher Geheimhaltung, bewachten Bücherpaletten und eingesperrten Übersetzern, wie es zuletzt im September zum Erscheinen von „Ein plötzlicher Todesfall“ abgehalten wurde. Insofern war der Lebenslauf von Robert Galbraith mit seinen Erfahrungen in Sicherheitstechnik nicht einmal gemogelt. Vielleicht lag die größte Befreiung aber darin, nicht gleich wieder mit gigantischen Erwartungen und großen Enttäuschungen umgehen zu müssen.

          Wer wird es in Deutschland verlegen? Rowlings neuer Kuckucksruf

          „A Cuckoo’s Calling“ ist ein guter Krimi. Unblutig, mit einem eingängigen Personal und einem Spannungsbogen, der sich aus den Milieu- und Charakterstudien ergibt. Während Rowling in „Ein plötzlicher Todesfall“ schlicht zu viel wollte, befindet sie sich hier wieder auf einem Terrain, das sie erzählerisch beherrscht. Das beginnt mit den Figuren, allen voran Cormoran Strike, einem in jeder Hinsicht angeschlagenen Privatermittler. Der ehemalige Soldat, der in Afghanistan ein Bein verloren hat, kann seine Rechnungen nicht bezahlen, die kapriziöse und reiche Geliebte hat ihn soeben rausgeschmissen, und außerdem hat er nur eine einzige Klientin, eine gesetzte Dame, die vermutet, dass ihr Mann sie mit der Sekretärin des Töpfervereins betrügt. Doch bevor Strike so richtig anfangen kann, unter seiner Gewichtszunahme, seinem Bankrott und seiner Einsamkeit zu leiden, steht die junge, fähige und hübsche Zeitarbeitskraft Robin vor ihm und in seinem Büro ein ferner Bekannter, der überzeugt ist, dass der Todessturz seiner Schwester von einem Balkon in Mayfair kein Selbstmord war.

          Den Fall des prominenten Models Lula Landry nutzt Rowling dazu, die Welt des Luxus, der kurzen Berühmtheit und des oft ebenso kurzen Reichtums als hohl zu entlarven. Das tut sie mit vielen Verweisen auf Figuren und Ereignisse der britischen Geschichte. Mit ihrer ausführlichen Schilderung der Medienaufmerksamkeit vor, während und nach dem tragischen Tod des Starlets Lula Landry greift Rowling zum einen den Mythos um die von Paparazzi in den Tod gehetzte Prinzessin Diana auf, zum anderen verarbeitet sie, wie auch schon mit ihrem Zauber-Superstar Harry Potter und in „Ein plötzlicher Todesfall“, abermals ihre eigenen zwiespältigen Erfahrungen mit dem Ruhm. Rowling ist immer eine gesellschaftskritische Autorin, deren Sympathie dem Underdog gehört - in diesem Fall ihrem Detektiv, mit dem sie in Serie gehen will. Der nächste Fall für Cormoran Strike soll bereits geschrieben sein und 2014 erscheinen.

          Wo „The Cuckoo’s Calling“ in deutscher Übersetzung erscheinen wird, scheint indes noch offen. Bei Carlsen, wo Rowlings erster Nicht-Potter erschien, weiß man von nichts. Da Rowling mit ihrem ersten Krimi in Großbritannien zwar den Verlag, nicht aber den Konzern gewechselt hat, könnte auch bei uns Bonnier das Rennen machen. Aber auch Random House soll mit Blanvalet großes Interesse zeigen.

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