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Weltbild-Verlag : Verkäuflich ist gut

Erfolgreiches Unikum: Carel Halff Bild: dpa

Siebzehn Millionen Kunden kaufen beim Weltbild-Verlag ein. Achtzig Prozent von ihnen betreten das ganze Jahr keine Buchhandlung. Einblicke in ein ungewöhnliches Verlagsimperium.

          6 Min.

          Es war einmal ein Protestant, der hatte eine Idee. Wie man Bücher an den Mann bringen könnte, regelmäßig und zuverlässig. Er erfand den Bertelsmann Buch-Club, dessen Mitglieder mindestens vier Bücher im Jahr kaufen mußten. Die Idee war so gut, daß Herr Bertelsmann ein sehr, sehr reicher Mann wurde und seine Firma heute ein weltumspannender Medienkonzern ist, der sich um Bücher nur noch am Rande kümmert. Die Geschäfte des Buch-Clubs jedenfalls laufen seit Jahr und Tag sehr schlecht, und das ständige Auswechseln von Geschäftsführern und Konzepten hat daran nichts geändert.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Es war einmal, viel später, ein Katholik, der hatte auch eine Idee. Wie man Bücher verkaufen könnte. Der Mann machte aus einem kleinen Versandhandel einen großen Weltbild-Versand, dem man nicht beitreten mußte, aber in dessen Katalogen so viele Angebote waren, daß immer mehr Kunden immer mehr Bücher und sogenannte Geschenkwaren kauften. Die Idee war so erfolgreich, daß Weltbild heute ein Medienunternehmen ist, das schon in Holland, Österreich, der Schweiz, Polen und Rußland Filialen betreibt. Und weil der Katholik so erfolgreich ist, wird er seit neunundzwanzig Jahren nicht ausgewechselt, und die Konzepte macht er noch immer selbst.

          Ein Unikum

          Dieser in Holland gebürtige Mann ist ein Unikum. Das wird man nicht leicht in einer Branche, die von Individualisten geprägt ist. Carel Halff, gelernter Verlagsbuchhändler, erhielt 1975 im Alter von dreiundzwanzig Jahren den Sanierungsauftrag für das Winfried-Werk, einen katholischen Buchverlag. Die Firma machte 600.000 Mark Umsatz und hatte 200.000 Mark Schulden. Heute beschäftigt das Unternehmen unter dem Namen Verlagsgruppe Weltbild 3400 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von 1,27 Milliarden Euro. Sieben von zehn Deutschen kennen die Marke, siebzehn Millionen kaufen bei Weltbild ein.

          Ein Großteil davon kommt über das traditionelle Versandgeschäft; der Katalog schwillt in seinen dicksten Ausgaben auf vierhundert Seiten an. Als „verlängerter Arm“ gelten die derzeit mehr als 270 Weltbildplus-Filialen, deren erste vor gerade einmal zehn Jahren in Fürth eröffnet wurde und deren Zahl Halff zusammen mit seinem Fünfzig-Prozent-Partner Hugendubel auf mehr als 350 Läden steigern will. Weitere Engagements: Die Verlagsgruppe Droemer Knaur teilt sich Weltbild zu gleichen Teilen mit Holtzbrinck, hinzu kommen der Resteversender Jokers, Spiel- und Lernmittel („Kidoh!“), Zeitschriften („Lenz“), EDV-Dienstleistungen, Online-Medienhandel (buecher.de) sowie das Auslandsgeschäft, in Rußland etwa der Buchversand „Moy Mir“ mit Burda.

          Quietschblauer Rundbau

          Gelenkt wird das Imperium, das einen Marktanteil von rund zehn Prozent am Gesamtbuchmarkt hat, inmitten eines Nullachtfünfzehn-Gewerbegebietes. Ein verglaster vierstöckiger Rundbau, innen quietschblau marmoriert; Büros, die sich um ein Atrium schmiegen. Eher sachlich denn repräsentativ. Gegenüber wuchert die Auslieferung, mit einem vierunddreißig Meter hohen vollautomatischen Hochregallager, das nach Abschluß der Erweiterung demnächst Platz für siebzigtausend Paletten haben wird. Das Verwaltungsgebäude, 1998 eingeweiht, wird im Augenblick im zweiten Bauabschnitt auf doppelte Größe gebracht.

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