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Weiter Kritik am Versandhändler : Die Welle gegen Amazon rollt

  • -Aktualisiert am
Sie will nichts mehr mit Amazon zu tun haben: Die Bloggerin Pia Ziefle.

Der Newsletter stammte von einem Tochterunternehmen Amazons. Pia Ziefle hat dann herausgefunden, dass Amazon die Daten seiner Kunden an jedes seiner hundertprozentigen Tochter-Unternehmen übertragen dürfe: „Amazon hätte mir ja auch mal mitteilen können: Es gibt nicht nur Bücher und Wäschetrockner, sondern jetzt auch noch Schuhe und Handtaschen - willst Du das?“ Deswegen schloss Pia Ziefle ihr Amazon-Konto - um daraufhin die nächste Überraschung zu erleben: Wer sein Konto schließt, verliert auch alle bisher bei Amazon angeschafften E-Book-Inhalte für das Lesegerät Kindle. Diese hat man nämlich nicht erworben, sondern nutzt sie nur als Lizenzprodukt. Insofern sind die Informationen auf amazon.de irreführend, weil mehrfach vom „Kaufen“ eines E-Books die Rede sei. Erst im Kleingedruckten erfährt man dann, dass es sich nur um eine Lizenz handelt.

In diesem Punkt, so Ziefle, unterscheide sich Amazon signifikant von anderen Händlern wie etwa Libri, Osiander, Beam-E-Books oder Libreka, bei denen mit dem E-Book-Kauf auch das Speichern einer Datei auf dem Endgerät möglich wird, die der Kunde behalten darf. Auch Ziefle kommt daher zu dem Schluss: „Amazon ist nun Vergangenheit.“ Diese Entscheidung betrifft sie aber nicht nur als Verbraucherin: „Für mich als Kundin ist das ärgerlich, für mich als Autorin ist das noch ärgerlicher. Ich mag E-Books, und ich glaube an einen Markt dafür. Ich glaube aber nicht daran, dass es eine gute Idee ist, bezahlte Inhalte aus bezahlten Kundengeräten zu löschen, nur weil der Kunde sich entscheidet, nicht länger Kunde zu sein. Kein Softwarehaus macht so etwas, obwohl auch die nur mit Lizenzen handeln. Niemand löscht mein schönes Windows 8, nur weil ich jetzt lieber bei Apple einkaufe“, schreibt Ziefle in ihrem Beitrag auf „Carta“. Für Verleger, Autoren und auch Kunden sei es nun Zeit, sich zu wehren, meint Ziefle nun im Gespräch. sie alle sollten „nicht länger die Klappe halten“.

Was Amazon kann, können andere auch

Der Abschied von Amazon allerdings fällt vielen nicht leicht - das wird jeder zugeben, der dort von den günstigen Preisen profitiert oder Produkte aus dem Ausland mit einem Klick bestellt und zuverlässig geliefert bekommt, für die das Geld bequem vom Konto abgebucht wird, ohne dass man sich um lästigen Rechnungskram kümmern muss. Die Kindle-Geschichte zeigt aber umgekehrt auch, dass im Fall der Kontoauflösung bei Amazon mit einem Klick alles weg sein kann.

Auch der Verleger André Thiele hat sich die Amazon-Kündigung offensichtlich nicht leicht gemacht. Er schreibt direkt an die Adresse des Versandhändlers, er habe sich „immer wieder selbst mit verschiedenen Argumenten überzeugt, dass es doch wichtig sei, mit einem zukunftsträchtigen Unternehmen wie dem Ihren zusammen zu arbeiten. Aber der Punkt ist ja - und das ist es, was der ARD-Bericht zutage gebracht hat -, dass Sie keine Zukunft haben. Ein Geschäftsmodell im Vertrieb, das weder den Lieferanten noch den eigenen Mitarbeitern die Luft zum Atmen lässt, hat keine Zukunft.“

Man mag angesichts dieser Beispiele noch von Einzelfällen sprechen, die wirtschaftlich noch kein großes Gewicht haben mögen. Aber es scheint offensichtlich, dass in den vergangenen Tagen eine Welle gegen Amazon ins Rollen gekommen ist, auf der ganz unterschiedliche Kritiker mit schwerwiegenden Vorwürfen gegen den Monopolisten reiten. Dabei wird immer wieder auch darauf hingewiesen, dass es ja Alternativen gebe. Pia Ziefle zieht aus ihren Erfahrungen den Schluss: „Alles, was Amazon kann, können andere auch.“

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