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Buchmarkt : Am Sonntag ist Bescherung

Manga-Bücherfuchs: In Leipzig stehen die Leser im Mittelpunkt, und die allermeisten stammen aus der Region. Bild: dts Nachrichtenagentur

Der 24. März ist nicht nur der letzte Tag der diesjährigen Leipziger Buchmesse. Dann wird sich für die Verlage auch zeigen, wie viel Geld sie wegen der Insolvenz eines Grossisten abschreiben müssen.

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          Wenn am Sonntag die diesjährige Leipziger Buchmesse endet, wird Weihnachten genau drei Monate her sein. Das ist wichtig für den deutschen Buchhandel, denn durch den kürzeren Monat Februar sind es am 24. März zugleich auch genau neunzig Tage seit Weihnachten, und neunzig Tage beträgt das Zahlungsziel für Bücher, die von den Zwischenhändlern, dem sogenannten Barsortiment, bei den Verlagen bestellt wurden. In Deutschland bestimmen drei Grossisten das Barsortiment, und einer davon hat Mitte Februar Insolvenz anmelden müssen: KNV aus Stuttgart. Wenn man von diesem Zeitpunkt aus neunzig Tage zurückgeht, landet man in der Mitte des Novembers. Was bedeutet, dass das komplette Weihnachtsgeschäft der Verlage, die KNV beliefert haben, von der Insolvenz betroffen war, weil sie das Geld dafür noch gar nicht erhalten hatten. Und das Weihnachtsgeschäft ist mit rund einer Milliarde Euro ein besonders großer Umsatzbringer im Buchgeschäft.

          Andreas Platthaus
          (apl), Feuilleton

          Ausgerechnet zum Ende der Leipziger Messe also werden die Verlage endgültig wissen, wie viel von ihrem Weihnachtsumsatz abzuschreiben sein wird. Im März hatte sich die anfängliche Panikstimmung in der Branche wieder etwas beruhigt, als klar wurde, dass der Insolvenzverwalter bei KNV Neubestellungen als Masseverbindlichkeiten bilanzieren wird, die vor den alten Forderungen von Gläubigern zu begleichen sind. Aber das hilft nichts für die Forderungen aus der Zeit davor, also den großen Brocken des Weihnachtsgeschäfts. Es hilft nur dabei, das laufende Geschäft von KNV nicht zusammenbrechen zu lassen und damit das Risiko eines Konkurses zu vermeiden, bei dem erfahrungsgemäß so gut wie gar nichts mehr zu holen wäre. Im Zuge der Insolvenz werden die betroffenen Verlage auf jeden Fall bluten müssen.

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