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Horror in der Kunst : Terror und Nachspiel

  • -Aktualisiert am

Die Autorin Thea Dorn hat ihren neuen Roman publiziert. Bild: ZDF und Jule Roehr

Tragische Ereignisse bieten oft Anlass für Erzählungen, sei es in Form von Büchern oder Verfilmungen. Thea Dorns Roman „Trost“ bietet Anlass zu einer Frage: Wann wird Schreckliches Stoff für die Kunst?

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          Daniel Mendelsohn schildert in einem Essay über den 11. September im Film eine interessante Episode der griechischen Kulturgeschichte. Der Dichter Phrynichos war zu Beginn des fünften Jahrhunderts vor Christus zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er in seiner Tragödie „Die Einnahme von Milet“ das Trauma der Zerstörung der Stadt Milet durch die Perser wenige Jahre zuvor verarbeitet hatte. Das kam offenbar bedeutend zu früh, denn die Aufführung löste im Publikum einen Anfall schmerzhafter Trauer aus. Das Stück wurde für immer verboten.

          Es existiert, das zeigt die Geschichte um den glücklosen Phrynichos, ein kulturelles Bedürfnis nach einer Schonfrist, was die Verarbeitung von kollektiven Traumata in der Kunst angeht. Mendelsohn nutzte das antike Beispiel, um die Frage zu stellen, welche ästhetischen Mittel im Jahr 2006 angemessen sein konnten, um den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon gerecht zu werden. Die zeitliche Nähe zu den fiktionalisierten Ereignissen stellt das Erzählen der Gegenwart vor besondere Herausforderungen. Müssen etwa, wie Mendelsohns Beispiele nahelegen, „United 93“ von Paul Greengrass und „World Trade Center“ von Oliver Stone, Spielfilme über eine Katastrophe einen besonders ernsten, quasi-dokumentarischen Charakter aufweisen, um zu zeigen, dass es sich nicht um reine Unterhaltung handelt?

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