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Walter Moers : „Alles, nur kein Zeichentrick“ - die Zamonien-Verfilmung

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In Zamonien ist alles möglich. Auch die Verfilmung dieser Bilder? Bild: Piper Verlag

Der Schriftsteller Walter Moers hat sich bereiterklärt, seine erfolgreichen Romane um das Phantasiereich Zamonien verfilmen zu lassen. Im Gespräch mit der F.A.Z. geben er und sein Produzent erste Details bekannt.

          Vor zwei Wochen wurde überraschend bekanntgegeben, daß der Schriftsteller Walter Moers sich bereiterklärt hat, seine erfolgreichen Romane um das Phantasiereich Zamonien verfilmen zu lassen. Moers hat sich seit mehr als einem Jahrzehnt völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. In einem Gespräch, das er mit dieser Zeitung führte, geben er und sein Produzent David Groenewold erste Details über die Verfilmungspläne bekannt.

          Bisher, Herr Moers, haben Sie immer mitteilen lassen, Sie beschränkten sich aufs Schreiben, weil daran nur Sie beteiligt seien, während eine Filmproduktion das Resultat vieler Kompromisse sei. Was hat sich geändert, daß Sie jetzt einer Verfilmung Ihrer "Zamonien"-Romane zugestimmt haben?

          Walter Moers: Das Romaneschreiben ist ein relativ kompromißfreies Geschäft, aber auch ein ziemlich einsames. Nach zwei dicken Zamonien-Büchern hintereinander ist mein Bedürfnis nach Teamarbeit wieder ein wenig erneuert. Außerdem gab es in den letzten Jahren technische Entwicklungen auf dem Filmsektor, die heute viele Dinge möglich machen, die noch vor kurzem als unverfilmbar galten. Computeranimation ist eine neue künstlerische Disziplin, deren Möglichkeiten gerade erst ausgelotet werden. Und nicht zuletzt ist eine neue Generation von Filmschaffenden herangewachsen, die ich sehr interessant finde.

          Können Sie uns sagen, wer das ist?

          W.M.: Zum Beispiel Bernhard Haux, der mit Figuren meiner Comics einen kurzen CGI-Film namens "Echte Vögel kotzen nicht" gemacht hat, der jetzt auf Animationsfestivals Preise abräumt. Ein anderer ist Felix Gönnert, der den wunderbaren computeranimierten Film "Lucia" gemacht hat. Mit beiden zusammen wird nun versucht, eine meiner Figuren im Computer zum Leben zu erwecken.

          Wie stark werden Sie selbst sich an der Ausarbeitung der Drehbücher beteiligen?

          W.M.: Auf dieser Seite hält sich mein Drang nach Teamarbeit in Grenzen. Ich werde also versuchen, selbst ein Drehbuch zu schreiben. Bei dem Ausmaß, das diese Produktion erreichen soll, ist das aber ohne Hilfe gar nicht möglich. Außerdem bin ich nicht so bescheuert, die ganze Verantwortung alleine zu übernehmen. Aber ich habe auf dem Filmsektor noch nie zuvor unter solch autorenfreundlichen Vertragsbedingungen gearbeitet. Was meine persönliche Stimme dabei angeht: Roman ist Sologesang, Film ist Kirchenchor. Bei letzterem hat sich jede Einzelstimme dem Gesamtergebnis unterzuordnen.

          Es heißt, der erste Film werde Motive aus den bislang erschienenen vier Büchern miteinander vermischen. Wird das dem Konzept des Zyklus noch gerecht, der bislang jeweils verschiedene Persönlichkeiten aus Zamonien in den Mittelpunkt gestellt hat?

          D.G.: Davon wollen wir abweichen, weil die Welt Zamoniens so reich bebildert ist, daß Walter Moers sie erst filmgerecht aufbereiten wird, um dann eine Vielzahl von phantastischen Elementen im ersten Film "anzureißen" und dem Zuschauer Appetit auf mehr zu machen.

          W.M.: Wenn es ein Konzept des Zyklus gibt, dann das, immer neue Ableger möglich zu machen, die auch unabhängig vom Konzept existieren können. Es ist gleichgültig, welches der Bücher man als erstes liest oder ob man nur eines oder alle vier gelesen hat. So versuche ich auch den Film zu betrachten: als eigenständigen Zamonien-Ableger, diesmal mit filmischen Mitteln. Die Geschichte wird eine ganz neue sein.

          Käpt'n Blaubär wird wohl schon aus rechtlichen Fragen für eine Hauptrolle ausscheiden. Heißt das, daß Hildegunst von Mythenmetz der wahrscheinlichste Kandidat für die zentrale Position im Film ist, vielleicht ergänzt um Professor Abdul Nachtigaller?

          W.M.: Gut kombiniert, Mr. Holmes! Aber nein, die zentralen Figuren werden ganz neue Charaktere sein.

          Was für ein Budget wird der erste Film haben, und wann kommt er in die Kinos?

          W.M.: Darüber zu entscheiden, überlasse ich lieber meinem Produzenten.

          D.G.: Mit dem Drehstart rechnen wir etwa Ende 2006. Ins Kino soll er dann im Jahr 2007. Das Budget wird bei mehr als zehn Millionen Euro liegen.

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