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Verlegerinnen : Von überraschender Eigenart

Katharina Wagenbach-Wolff Bild: F.A.Z.-Christian Thiel

Seit fünfundfünfzig Jahren ist Katharina Wagenbach-Wolff im Verlagsgeschäft, seit zweiundzwanzig Jahren führt sie ihren eigenen Verlag, die „Friedenauer Presse“ - eine Erfolgsgeschichte.

          Seit fünfundfünfzig Jahren ist Katharina Wagenbach-Wolff im Verlagsgeschäft, seit zweiundzwanzig Jahren führt sie ihren eigenen Verlag, die „Friedenauer Presse“.

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Eine feine Adresse für Leser, für Autoren, Herausgeber, Übersetzer, und eine Erfolgsgeschichte zudem. Eine von der besonderen Art, so wie jedes Buch - ob nun eines der über hundert schmalen Hefte der „Friedenauer Presse-Drucke“, eine von „Wolffs Broschuren“ oder eines ihrer „Winterbücher“ - von überraschender Eigenart ist. Es sind nicht selten literarische Entdeckungen, schöne Bücher, von hoher literarischer Qualität, sorgfältig gestaltet und hergestellt, von denen die Verlegerin sagt: „Ich liebe meine Bücher sehr.“

          Kein Buch wird verramscht

          Manch eines verkauft sich seit achtzehn Jahren, verramscht wird keines. Das danken ihr vor allem die Buchhändler, die sich dem Zeitgeist der Wühltische und Billigketten entgegenstellen. Die meisten Titel sind immer wieder nachzubestellen. Eine Frage der Ökonomie, meint sie, aber auch der Einstellung. Natürlich gehe nichts ohne die Grossisten, doch eigentlich sind es sieben Vertreter, die dafür sorgen, daß keine Neuerscheinung der Friedenauer Presse untergeht.

          Katharina Wagenbach stammt aus einer Buchhändler- und Verlegerfamilie. Der berühmteste, ihr Urgroßvater Moritz oder Boleslaw Mauricy Wolff, hatte 1853 auf dem Petersburger Newskij-Prospekt eine Buchhandlung eröffnet, aus der schon nach wenigen Jahren einer der führenden russischen Verlage hervorging. 1917, nach dem Roten Oktober, flüchtete die Familie, als „Bourgeois“ stigmatisiert, nach Berlin. Sie führte ein bescheidenes Leben, das dem verlorenen nur insofern glich, als es auch von der Liebe zu Büchern und zur Literatur geprägt war. Ein Erbe, von dem die Verlegerin heute zehrt.

          Der Vater war bei Suhrkamp

          Ihr Vater, Buchhändler, war lange Geschäftsführer bei Suhrkamp - Wolff's Bücherei schrieb mit ihren Autorenlesungen Literaturgeschichte. 1963 erfand Andreas Wolff seine eigene Edition, die Friedenauer Presse, in der literarische Kostbarkeiten, bleigesetzte Drucke aus einem Bogen Bütten, erschienen. Dieses bibliophile Unternehmen ließ seine Tochter zwanzig Jahre später wieder aufleben und hat es behutsam erweitert, mit den Broschuren und jährlich einem Winterbuch.

          Es sei das Naheliegende gewesen, sagt Katharina Wagenbach heute. Sie wollte etwas Eigenes machen, und im Keller lagen noch die letzten Hefte des Vaters. Sie kannte Autoren, eine Druckerei, die Vertreter, gemeinsam mit Klaus Wagenbach hatte sie einen Verlag aufgebaut, und die drei Töchter waren erwachsen. Sie selbst war gerade dreiundfünfzig Jahre alt geworden, in einem Beruf, in dem Frühpensionierungen unüblich sind. Seitdem führt sie ihre Geschäfte im dritten Stock eines Hinterhauses unweit des Savignyplatzes, ein Refugium mitten in der Großstadt, deren vielstimmige Geräusche bei geöffneten Fenstern die alltägliche Hintergrundmusik liefern.

          Ein Verlag in der Wohnung

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