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Verlagsfusion : Genug geschrumpft

Erfolgreiche Verlagsfusion: aus Vier mach Eins Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Ein Jahr nach der größten Verlagsfusion in der deutschen Geschichte ist klar: die Angst in der Branche war groß, doch die Aufregung hat sich gelegt. Für Random House heißt es jetzt wieder wachsen.

          5 Min.

          Gut achtzehn Monate ist es her, daß die größte Fusion in der Geschichte des deutschen Verlagswesens vom Kartellamt genehmigt wurde.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Random House Deutschland, die hiesige Buchsparte von Bertelsmann, übernahm damals Teile der Springer Buchverlage - namentlich Heyne plus Ratgeber- und Hörbuchbeilagen -, ein großer Teil der Gruppe mußte, der Weisung der Kartellhüter gemäß, weiterverkauft werden.

          Das schwedische Medienhaus Bonnier sicherte sich den Rest dieses spöttisch "HEUL-Gruppe" genannten Konglomerats, in der Hauptsache Ullstein, List und Econ. Das Getöse war enorm, die Branche beliebte zu apokalypteln - getrieben von der Sorge, hier könne ein Goliath durch das kleinteilige Gärtchen trampeln.

          Random House wollte alle Springer-Verläge

          Unbegründet waren diese Sorgen nicht, sah sich das Kartellamt doch immerhin dazu gezwungen, bei einer - für viele Mitbewerber fiktiven - Grenze von dreißig Prozent Marktanteil im Taschenbuch einen Riegel vorzuschieben.

          Random House mußte abspecken, tat dies ungern, wie der Vorstandsvorsitzende Joerg Pfuhl heute sagt: "Ich hätte es auf einen Prozeß ankommen lassen, wenn dadurch nicht Heyne in seiner Existenz gefährdet worden wäre." Ursprünglich, das beteuert auch der oberste Random-House-Verleger Klaus Eck, habe man tatsächlich alle Springer-Verlage übernehmen wollen.

          Korpsgeist wich Konzerngeist

          Bei der Elefantenhochzeit kamen nicht nur viele Mitarbeiter - 350 bei Random House, 250 bei Heyne -, sondern auch viel Geld zusammen. Von 139 Millionen Euro Umsatz 2003 steigerte sich Random House im Jahr darauf auf 196 Millionen - um gut vierzig Prozent.

          Aber es prallten auch zwei Unternehmenskulturen aufeinander - hier der weltgrößte Buchverlag mit Hauptsitz in New York, dort der die längste Zeit seines Bestehens eigentümergeführte Erfolgsverlag, der zuletzt in einem Stahlgewitter zu einem Buchkonzern umgemodelt worden war. Heyne bezog seine Energie gerade aus dieser Unabhängigkeit - und aus der Konkurrenz zum Konzernverlag Goldmann.

          So ist heute der Korpsgeist von damals einem Konzerngeist gewichen: Neben Goldmann wirkt Heyne, vormals die Nummer eins der deutschen Taschenbuchverlage, ein wenig wie die Stieftochter.

          Bertelsmann schwieg zu Einlassungen der Kollegen

          Als der deutsche Bonnier-Statthalter Viktor Niemann Ullstein übernahm, war die Stimmung gespalten: Heyne komme zu den Bösen, der Rest sei bei den Guten in Sicherheit. Doch es kam anders: Niemann verpflanzte die neue Verlagsgruppe unverzüglich nach Berlin, das kostete Arbeitsplätze und Sympathien.

          Die Rede vom "Blutbad" machte die Runde; aus der Neumarkter Straße, dem Stammsitz der Bertelsmänner, drang mit großer Entschiedenheit sonores Schweigen - obwohl die Kommentare der Verlegerkollegen inzwischen immer schriller wurden. "Ich habe mich auch gewundert über die Qualität mancher Einlassungen", sagt Pfuhl heute diskret.

          Und Klaus Eck ergänzt süffisant den Spruch vom Pack, das sich schlage und vertrage. "Wir haben vom ersten Tag an auf Integration gesetzt", wird Pfuhl verbindlicher.

          Drei betriebsbedingte Kündigungen habe die Fusion gekostet, von Blutbad keine Rede, dafür eher von Feuertaufe.

          Der Verlagsriese macht sich klein

          Gerade zehn Tage war Pfuhl im Amt, als der Anruf von Springer kam. Zwar hatte er während seiner New Yorker Lehrzeit schon Erfahrung mit Verlagsübernahmen gesammelt, aber nicht in dieser Größenordnung. Zwei Wochen saß er zur Akteneinsicht im Keller eines Münchner Hotels. Dann begann das bald einjährige Ringen mit dem Kartellamt.

          Nach der Übernahme war Random House bemüht, das Bild vom Verlagsmoloch herunterzuspielen. Da war viel von dezentraler Organisation, von der Freiheit des einzelnen Verlegers die Rede. Besänftigendes Maunzen Richtung Branche: Wir sind gar nicht so groß.

          Neues verlegerisches Programm

          Konkret wurde das verlegerische Programm auf neue Säulen gestellt. Unter der Oberaufsicht von Klaus Eck verbinden sich nun vier kleinere Verlagsgruppen zu einer großen: Ulrich Genzler verantwortet Heyne (seit dem Tod des Verlegers auch inklusive dem Karl Blessing Verlag); Silvia Kuttny leitet Blanvalet (mit Limes, Random House Entertainment), Georg Reuchlein steuert Goldmann (mit btb, Mosaik, Manhattan, Luchterhand und anderen).

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