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Verlage : Suhrkamp will neue Gesellschafter nicht akzeptieren

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Fremde Mächte greifen nach Suhrkamp Bild: ddp

Aus Sicht des Verlags bleibt alles beim alten - von außen betrachtet, bleibt es vor allem spannend: Suhrkamp wehrt sich gegen den angekündigten Einstieg Hamburger Geschäftsleute in das Unternehmen.

          Presseerklärungen aus dem Hause Suhrkamp erklären in der Regel wenig, sondern werfen meist zusätzliche Fragen auf. Die schon seit einigen Tagen erwartete Stellungnahme zum Verkauf der Anteile von Andreas Reinhart an die Hamburger Unternehmer Hans Barlach und Claus Grossner (siehe: Der Bruch im Suhrkamp Verlag und Hirnzonenreflexmassage: Pläne des neuen Suhrkamp-Teilhaber Grossner) unterscheidet sich schon durch ihre Länge und ihren Detailreichtum vom üblichen wortkargen Stil der Lindenstraße.

          So beklagt man zunächst die „unzureichende Unterrichtung der Öffentlichkeit“ durch Reinhart und stellt dann, nicht ohne einen Hang zur Beckmesserei, verschiedene Dinge richtig: Unseld habe seine Frau Ulla Unseld-Berkéwicz sehr wohl als Verlegerin vorgesehen; sein Verhältnis zu Andreas Reinhart dagegen sei keineswegs ungetrübt gewesen; Reinhart seien durch seine Suhrkamp-Beteiligung „über die Jahre viele Millionen Gewinnanteile zugeflossen“; und schließlich habe sich die Verlegerin zu keinem Zeitpunkt „bei irgend jemandem ,krank gemeldet'“, wie Grossner behauptet hatte.

          Rechtmäßigkeit bestritten

          Sachhaltiger ist dagegen die vermeintliche Klarstellung, Reinhart habe seine Anteile durchaus zunächst an die Mehrheitsgesellschafter, also die Unseld-Familienstiftung, verkaufen wollen: Doch die zum Beweis zitierte E-Mail läßt genau diese Absicht gerade offen, wie Reinhart im Gespräch mit dieser Zeitung unterstreicht. Offenbar nach juristischer Prüfung der Lage durch Suhrkamp-Anwalt Heinrich Lübbert wird ferner die Rechtmäßigkeit der ganzen Transaktion bestritten: Reinharts Schachzug, nicht die Anteile selbst, sondern seine Holding zu verkaufen, sei ein „durchsichtiger Umgehungstatbestand, der die gesamte Transaktion unwirksam“ mache. Überhaupt sei unklar, heißt es süffisant, „wo der Ansatzpunkt für Initiativen neuer Aktionäre einer Schweizer AG“ liegen könne.

          Mit anderen Worten: Reinharts Verkauf ist unwirksam, und selbst wenn nicht, würde daraus nichts Wesentliches folgen. Reinhart wiederum bemerkt dazu amüsiert, das klinge ja, als hänge man in Frankfurt so sehr an ihm, daß man ihn unbedingt als Miteigentümer zurückhaben wolle. Aus Sicht des Verlags bleibt also alles beim alten - von außen betrachtet, bleibt es vor allem spannend.

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