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Verlage : Berkéwicz geht auf Distanz zu neuen Suhrkamp-Gesellschaftern

  • Aktualisiert am

Keine Mitsprache erwünscht: Ulla Unseld-Berkéwitz Bild: dpa

Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz will ihren neuen Gesellschaftern offenbar Grenzen aufzeigen. „Keiner hat Mitspracherecht im Verlag“, betonte sie im ersten Interview nach dem Einstieg der neuen Teilhaber.

          Die Meldung kam für alle überraschend, als am Donnerstag bekannt wurde, daß die Schweizer Kaufmannsfamilie Reinhart ihre Anteile am Suhrkamp-Verlag an die Hamburger Unternehmer Hans Barlach und Claus Grossner verkauft habe. Diese meldeten sich auch sogleich zu Wort, sie würden in Zukunft bei der Bestellung des Verlagsprogramms mitreden und freuten sich schon "auf die Gespräche mit Autoren".

          Einen Tag später berichtete Grossner sogar, "prominente Suhrkamp-Autoren" hätten ihm per Fax ihre Freude über seinen Geschäftseinstieg ausgedrückt. Bislang hat die verlegerische Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkéwicz zu den Entwicklungen geschwiegen. Jetzt nahm sie im Gespräch mit dieser Zeitung erstmals zu den wichtigsten Fragen Stellung:

          Hat Sie der Verkauf der Anteile von Reinhart an Barlach und Grossner überrascht?

          Und wie! Wir haben nichts geahnt. Überhaupt nichts. Wir waren in Verhandlungen mit Reinhart. Es war uns seit längerem bekannt, daß er seine Anteile verkaufen will, und die Stiftung sollte diese übernehmen. Wir, also die Stiftung, waren natürlich nicht bereit, Phantasiepreise zu bezahlen, sondern nur das, was die Anteile wirklich wert sind.

          Was haben Sie jetzt vor? Wie werden Sie reagieren?

          Unsere Anwälte prüfen gerade, ob der Verkauf überhaupt rechtmäßig ist. In der nächsten Woche wissen wir mehr.

          Wenn die neuen Miteigentümer kommen, fürchten Sie dann eine stärkere Einflußnahme? Die Ankündigungen sind ja eindeutig.

          Das ist absurd! Absolut absurd! Keiner der Gesellschafter, weder Joachim Unseld noch die Reinharts, hat jemals zu irgendeinem Zeitpunkt Einfluß aufs Programm genommen. Das ist auch gar nicht möglich. Keiner hat Mitspracherecht im Verlag. Die Gesellschafter können lediglich die Bilanzen einsehen.

          Reinhart spricht jetzt davon, daß es dem Verlag wirtschaftlich schlechtgehe, daß er seit fünfzehn Jahren nicht mehr gewachsen sei. Das klingt beunruhigend. Stimmt das denn?

          Das stimmt überhaupt nicht. Selbstverständlich sind der Verlag und die Umsätze des Verlags gewachsen. Wir haben uns lediglich bemüht, das Taschenbuchprogramm etwas zu verkleinern. Aber wir haben noch nie in der Geschichte des Verlags rote Zahlen geschrieben. Allein in diesem Jahr haben wir bislang eine Umsatzsteigerung von 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erreicht.

          Was sagen die Autoren? Grossner sagt, er habe Glückwunsch-Faxe erhalten?

          Na, welche Autoren sind denn das wohl? Ich sage Ihnen, die Suhrkamp-Autoren schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Von Glückwünschen kann da bestimmt keine Rede sein.

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