https://www.faz.net/-gqz-1034e

Verlage : Auf Anruf Druck

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Die Nachfrage sinkt in manchen Segmenten der Verlagsproduktionen: Bücher werden oft nur noch gedruckt, wenn ein Käufer nach ihnen verlangt. Auch der Suhrkamp Verlag kooperiert jetzt mit Books on Demand.

          Nachdrucksitzungen, so heißen in Verlagshäusern jene Gelegenheiten, bei denen inhaltliche Entscheidungen recht direkt mit ökonomischen Überlegungen in Konflikt geraten können. Denn nicht selten geht es dabei um Bücher, deren Auflage zwar fast schon verkauft ist, deren Absatzzahlen aber auf einem so niedrigen Niveau liegen, dass eine neue Auflage mit großer Wahrscheinlichkeit eine teure Angelegenheit wird: Ein Nachdruck in hoher Zahl rechnet sich nicht, weil die Lagerkosten über Jahre hinweg sich unangenehm aufsummieren. Der Nachdruck einer der Nachfrage angemessenen sehr kleinen Auflage ist dagegen teuer und löst das Problem deshalb auch nicht.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton.

          Letztlich geht es dann um Entscheidungen, in denen der Wille zur Erhaltung einer gewissen Programmbreite über die ohnehin gut laufenden Titel hinaus mit den wirtschaftlichen Erfordernissen verrechnet wird. Die entsprechenden Kompromisslösungen sehen in verschiedenen Verlagsäusern sehr unterschiedlich aus.

          Pflege der Backlist

          Der Suhrkamp Verlag hat von jeher großen Wert auf die Pflege seiner Backlist gelegt und hält eine besonders große Anzahl von Titeln lieferbar. Um ökonomisch heikle Nachdruckentscheidungen möchte man dabei in Zukunft trotzdem herumkommen. Das gilt zunächst einmal vor allem im Bereich des wissenschaftlichen Programms, wo auch Titel für sehr klein gewordene Zielgruppen ihren Platz im Verlagsprogramm behalten oder gar wiedereinnehmen sollen. Gedacht ist dabei, wie der Verlag nun mitteilte, nicht nur an die Nutzung des bei Kleinstauflagen kostengünstigeren Digitaldrucks. Man möchte vielmehr gleich einen Schritt weiter gehen und nur selten verlangte Titel der prominenten Reihen „suhrkamp taschenbuch wissenschaft“ und „edition suhrkamp“ von Books on Demand (BoD) produzieren und ausliefern lassen.

          Über den Buchhandel eingehende Bestellungen werden dann an BoD weitergeleitet, wo die Satzdaten für den entsprechenden Titel vorher hinterlegt wurden. Druck und Bindung der Exemplare ist mit der in den letzten Jahren verfeinerten Herstellungstechnik in wenigen Stunden zu bewerkstelligen, so dass sich auch die Lieferfristen für diese Titel kaum erhöhen werden. Technische Einschränkungen für diesen Druck ab einer Auflage von einem Stück gibt es nur wenige. Lediglich von abbildungsreichen Bänden will man bei Suhrkamp einstweilen absehen. Die Umschläge werden dagegen die bekannte Typographie von Willi Fleckhaus zeigen, aber in Material und Farbe differieren. Wer händeringend einen bestimmten Band sucht, wird über solche kleinen Abstriche wohl hinwegzusehen wissen.

          Keine Auflagenabschätzungen mehr

          BoD ist mittlerweile in Verlagen und Publikationssegmenten, in denen es um Kleinstauflagen geht, recht gut etabliert. Moritz Hagenmüller, der Geschäftsführer von Suhrkamps Kooperationspartner, verweist auf die Zusammenarbeit mit mehr als dreihundert Verlagen, eine jährliche Produktion von eineinhalb Millionen Exemplaren und über 80 000 lieferbare Titel. Für das Jahresende rechnet man mit 100 000 Titeln, davon 60 000 bei Verlagen – darunter Häuser wie Campus, de Gruyter und Springer –, der Rest erscheint im Selbstverlag. Der Schwerpunkt liegt im wissenschaftlichen Segment, wo Longseller mit kleinen Nachfragezahlen häufig sind. Interessant kann für manche Verlage auch bereits die Erstauflage bei BoD sein. Auflagenabschätzunken entfallen bei diesem Verfahren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wegen Amazonas-Bränden : Europa droht Bolsonaro mit Blockade

          Der Streit mit Brasilien um die Waldbrände eskaliert: Finnland prüft ein Einfuhrverbot für brasilianisches Rindfleisch in die EU. Irland und Frankreich drohen, ein Handelsabkommen zu blockieren. Politiker aus Europa schießen gegen Präsident Bolsonaro.
          Empfindet Schäubles Äußerungen als „wohltuend“: der frühere Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen

          Streit über Maaßen : Nach der Attacke ist vor der Attacke

          Mit einer gezielt gesetzten Äußerung heizt Wolfgang Schäuble den Streit um einen möglichen Parteiausschluss von Hans-Georg Maaßen weiter an. Wieso macht er das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.