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Väter : Ich bin du, und du bist ich

Ein Thema für die Literatur: der Vater Bild: AP

Nachgetragene Liebe: Nichts beschäftigt heutige Autoren so sehr wie der eigene Vater. Ihr Antrieb ist nicht Haß, sondern der Versuch, ein Phantom zu fassen - und mit dem Vater Frieden zu schließen.

          „Dad“ ist sein erstes Wort. Gleich zu Beginn seines Memoirenbands „Die Hauptsachen“ vergleicht sich der Schriftsteller Martin Amis mit seinem Vater Kingsley Amis, ebenfalls Autor. Nur geht es dabei nicht ums Schreiben, sondern um die jeweilige Rolle innerhalb der Familie, eine Frage, die den Bogen über drei Generationen spannt: Wie hat der Vater einst die Fragen des jungen Martin beantwortet, wie spricht der nun mit seinem eigenen Sohn? Gibt er den Sarkasmus, das häufige Desinteresse, die Reizbarkeit des Vaters an seine eigenen Kinder weiter? Und welche Bedeutung haben die erlittenen Verletzungen angesichts des langsamen, vom Sohn aufmerksam begleiteten Sterbens des Vaters?

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          „Die Hauptsachen“, im vergangenen Herbst auf deutsch erschienen, ist nur ein Beispiel aus einer verblüffenden Anzahl von Romanen, autobiographischen Schriften oder Sachbüchern, die sich gegenwärtig auf die Suche nach dem Vater begeben. Sie loten die Vaterschaft in allen Aspekten aus, trauern um den verblaßten Helden, fahnden nach einem schwer greifbaren Phantom: Hanns-Josef Ortheils „Die geheimen Stunden der Nacht“ etwa, Jens Petersens Aspektepreis-gekröntes Debüt „Die Haushälterin“, Frank Goosens „Pink Moon“, Thommie Bayers „Singvogel“, Richard von Schirachs „Der Schatten meines Vaters“, Thomas Langs „Am Seil“, Thomas Palzers „Ruin“ oder zuletzt Lars Brandts „Andenken“ - sie alle kreisen um Vaterschaft und Kindesbürde, um alte Rechnungen und neue Gerechtigkeit, um innerfamiliäre Kontinuität und den Versuch, aus den von den Eltern vorgezeichneten Bahnen auszubrechen. Und nicht zuletzt um das oft verzweifelte Bemühen, des Vaters habhaft zu werden, das schemenhafte Bild mit Leben anzufüllen. Was jedenfalls zur Zeit unter Schlagwörtern wie „Zeugungsstreik“ oder „Rabenväter“ diskutiert wird, ist längst ein dominantes Thema der Literatur geworden, und das nicht erst, seit das Vatersein, so scheint es, seine Selbstverständlichkeit verloren hat.

          Erzieher statt Ernährer

          In ihrer aktuellen Ausgabe präsentiert die Zeitschrift „Eltern“ die Ergebnisse einer Befragung von rund eintausend jungen deutschen Vätern. „Väter von heute sind ihren Kindern so nah wie keine Generation vor ihnen“, freut sich das Magazin. „Sie interessieren sich viel mehr für ihren Nachwuchs und übernehmen mehr Aufgaben zu Hause als alle ihre Vorgänger.“ Denn sie begreifen sich „zunehmend als ,Erzieher' und immer seltener als ,Ernährer'“. Und sie bringen dafür offenbar einiges an Pioniergeist mit. Denn zwei Drittel sagen auch, sie hätten für ihre Vaterrolle kein Vorbild. Schon gar nicht den eigenen Vater - an dem nehmen sich gerade einmal siebzehn Prozent ein Beispiel.

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