https://www.faz.net/-gqz-7nsf5

Urteil im Verlagsstreit : Die Wanderhure darf nicht mehr wandern

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Geschichtenband „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ aus dem Verlag Voland & Quist kann nicht mehr verkauft werden. Das Landgericht Düsseldorf entsprach damit der Klage des Verlags Droemer Knaur, der die Rechte an den „Wanderhuren“-Romanen hält.

          1 Min.

          Der Münchner Verlag Droemer Knaur hat sich mit seinem Verbotsantrag gegen den Titel „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ vor Gericht durchgesetzt. Droemer Knaur, Herausgeber der Bestseller-Reihe „Die Wanderhure“ des Autorenduos Iny Lorentz, hatte im Januar vor dem Landgericht Düsseldorf beantragt, es dem Leipziger Verlag Voland & Quist bei Meidung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250.000 Euro zu verbieten, einen satirischen Kurzgeschichtenband mit dem Titel „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ weiter zu verkaufen. Verhandelt wurde dazu am 13.März, heute wurde das Urteil verkündet: Das Landgericht Düsseldorf gab Droemer Knaur Recht und erließ „im Namen des Volkes“ die von Droemer Knaur beantragte Verbotsverfügung gegen Voland & Quist.

          In der Begründung heißt es unter anderem, es sei „nicht fernliegend“, dass Buchhandel und Buchkäufer den Titel „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ wörtlich nähmen und tatsächlich davon ausgingen, „er diene der Kennzeichnung eines Werks, welches sich auf der Grundlage der bei der Antragstellerin (Droemer Knaur) verlegten Romane mit der Beschreibung von Wanderwegen befasse, zumal die Titelfigur der Romane als ,Wanderhure' umherzieht.“

          Der Band mit den ursprünglich für die Theaterbühne gedachten satirischen Geschichten des aus der Szene des Poetry Slam stammenden Autors Julius Fischer darf unter diesem Titel also nicht mehr vertrieben darf. Vergeblich hatte sich der Verlag Voland & Quist auf die Satirefreiheit berufen. Er hat jetzt eine Frist bis Ende September erhalten und kann gegen die Entscheidung noch in Berufung gehen. Droemer Knaur hatte von der „Selbstbedienungsmentalität“des Konkurrenten gesprochen

          Rechtsanwalt Thomas, der Voland & Quist bei Gericht vertrat, sprach nach der Urteilsverkündung von einer „falschen Entscheidung“ und fügte hinzu: „Die grundgesetzlich geschützte Kunstfreiheit stellt ein hohes Gut dar. Auch wenn Gerichte nicht unbedingt dafür bekannt sind, Spaß zu verstehen, hätten wir uns in diesem Fall eine intensivere Auseinandersetzung mit der vom Bundesverfassungsgericht wiederholt betonten Bedeutung der Satirefreiheit gewünscht. Denn um Satire handelt es sich bei dem streitgegenständlichen Titel ‚Die schönsten Wanderwege der Wanderhure’ ganz offensichtlich – und Satire darf nach Tucholsky: alles. Das Düsseldorfer Urteil setzt sich damit nicht auseinander.“

          Weitere Themen

          Weltloses Melodrama Video-Seite öffnen

          Filmkritik „The Kindness of Strangers“ : Weltloses Melodrama

          Die dänische Regisseurin Lone Scherfig hat mit ihrem neusten Film ein unrealistisches Melodrama entworfen, findet F.A.Z.-Redakteur Andreas Kilb. Warum sich ein Besuch im Kino trotzdem lohnt, verrät die Videofilmkritik.

          Topmeldungen

          Zwei große Mächte im Welthandel: US-Präsident Donald Trump (links) fasst sich an die Jacke, während er für ein Foto mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Rande des G-20-Gipfels in Osaka posiert.

          Trumps Blockade : Schwerer Schlag für den Welthandel

          Donald Trump legt das Instrument zur Streitschlichtung der Welthandelsorganisation lahm. Die EU-Kommission sucht noch nach einer Lösung, um die Blockade zu umgehen.
          Präsidenten Macron und Putin in Paris

          Ukraine-Gipfel in Paris : Die Folgen der Inkonsequenz

          Auf dem Pariser Gipfel ging es nicht nur um den russisch-ukrainischen Konflikt. Sondern auch darum, mit welchen Botschaften der Westen dem russischen Regime entgegentritt. Putin spielt auf Zeit – und der Westen setzt ihm kaum etwas entgegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.