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Universität Eichstätt : 83 Tonnen Bücher als Müll

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In Eichstätt hat die katholische Universität Teile von Ordensbibliotheken vernichtet Bild: picture-alliance/ dpa

Im Jahr 1999 überließ der Kapuzinerorden der katholischen Universität Eichstätt 420.000 Bände. Mindestens 100.000 davon entsorgte die Bibliothek in den Jahren 2005 und 2006 in die Altpapierverwertung: ein buchstäblicher Skandal.

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          Der Stadtdechant von Neumarkt in der Oberpfalz war 1802 einer von vielen Ortsgeistlichen, denen die „Abwicklung“ der säkularisierten Bettelordens-Bibliotheken anvertraut wurde. Die meisten Bücher der Neumarkter Kapuziner befand er als „wahrhaft schädlich“ und zwar nicht nur wegen ihres „widersinnigen, abergläubischen und lächerlichen Inhalts, sondern auch wegen des schlechten Teutsches und fehlerhafter Orthographie“. Sie sind wohl komplett in die Altpapierverwertung gegangen - ebenso die Bücher des Kapuzinerkonvents Pyrbaum, die einem Papiermacher verkauft wurden.

          In den Gebrauchsbibliotheken der Bettelorden, die kaum bibliophile Schätze verwahrten, hat die Säkularisation vor zweihundert Jahren verheerend gewütet. Aufgeklärte Zeitgenossen konnten mit den frommen Predigtwerken und asketischen Schriften nichts anfangen. Der Kapuziner, dem das Volk gern magische Kräfte zuschrieb, galt als typischer Vertreter eines unaufgeklärten, abergläubischen Mönchtums, dessen Zeit abgelaufen war. Heute sind erhaltene Kapuzinerbibliotheken gerade deshalb ein spannendes Forschungsobjekt: So trägt eine Studie über die Zusammensetzung der Büchersammlung der Ordensniederlassung im schweizerischen Zug am Ende des 18. Jahrhunderts den programmatischen Titel „Eine Rüstkammer der Gegenaufklärung“. Jetzt kommen zum Schicksal des Bucherbes der bayerischen Kapuzinerprovinz verstörende Nachrichten.

          700 Kisten, hastig aussortiert

          Im Jahr 1999 hatte der Orden mit der katholischen Universität Eichstätt einen Überlassungsvertrag geschlossen, der die 420.000 Bände der Zentralbibliothek der Bayerischen Kapuziner in Altötting in die Universitätsbibliothek Eichstätt brachte. Was ein beispielhaftes Modell für den Umgang mit kirchlichem Kulturgut hätte werden können, geriet zum Desaster: Nach Angaben des Kapuzinerprovinzials Mittermaier wurden - in den Jahren 2005 und 2006 - 83 Tonnen Bücher und Zeitschriften vernichtet, davon 68,4 Tonnen aus Kapuzinerbeständen. Diese Zahlen stimmen mit den Ermittlungen des Universitätskanzlers von der Heydte überein. Man schätzt, dass 100.000 Bücher in siebzehn Containern in der Altpapierverwertung gelandet sind. Nachweislich wurden auch einige unbeschädigte alte Drucke aus der Zeit vor 1800 in dem zur Vernichtung bestimmten Bestand gefunden.

          Der Stiftungsvorstand von Eichstätt zog nun die Notbremse und verbot der Bibliotheksleiterin Angelika Reich die weitere Bearbeitung der Kapuzinerbestände. Eine genaue Prüfung der Vorgänge ist angekündigt. Der ehemalige Bibliotheksleiter Hermann Holzbauer meldete sich mit der Befürchtung zu Wort, womöglich seien Tausende wertvoller Bände in den Müll gegeben worden. Denn bereits bei der Übernahme der 350.000 Werke seien die unbrauchbaren Bücher von ihm aussortiert worden. Im Juli 2006 beschrieb ein anonymer Hinweisgeber das Vorgehen der neuen Direktorin so: Von den 1400 Bücherkisten sei etwa die Hälfte, also 700 Kisten, aussortiert worden und zum wohl größeren Teil in den Antiquariatsverkauf gegangen; der kleinere Teil dieser 700 Kisten sei in den Bestand der Universitätsbibliothek aufgenommen worden. Weitere rund 700 Kisten jedoch wurden in große Müllcontainer weggeworfen und dann dem Restmüll zugeführt, vermutlich in einer Müllverbrennungsanlage. Die Aussonderung sei hastig und ohne die nötige Sorgfalt durchgeführt worden.

          Drucke aus der Zeit vor 1802 sind Eigentum des Freistaats

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