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Umdenken mit Hannes Jaenicke : Also mal ehrlich!

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Einer mit Herz: Der Schauspieler und Bestsellerautor Hannes Jaenicke Bild: obs

Der Schauspieler Hannes Jaenicke will mit seinem Bestseller die Welt zum Umdenken bewegen. Dabei hätte Nachdenken auch schon genügt. Auch im eigenen Fall.

          Ganz ehrlich, Leute: Da macht endlich mal einer was und sagt, wie es ist, und die F.A.Z. kommt nur wieder mit Häme. So behauptet es der in den Vereinigten Staaten lebende deutsche Volksschauspieler Hannes Jaenicke gern in Interviews. Er findet es höchstens „amüsant“, dass man ihn - den nebenberuflichen Dokumentarfilmer und Tierschützer - als „Affenversteher“ und „Vielflieger gegen den Klimawandel“ tituliert.

          Dabei hat er sich einfach zur Pflicht gemacht, zu handeln, wo der Rest nur meckert. Rechnen muss sich das trotzdem. Dazu trägt derzeit ein Buch bei, das Jaenicke mit einer Ko-Autorin schrieb. Das A-Wort und ein Fernsehgesicht auf dem Cover, schon hat es die „Spiegel“-Bestsellerliste aus dem Stand erobert und steht die dritte Woche auf dem Spitzenplatz.

          Abgerechnet wird darin mit den Machenschaften folgender Industrien: Automobil, Strom, Mineralwasser, Textil, Medien, Banken, Verpackung, Medizin, Kosmetik und Wein. Das Ganze nennt sich „Konsumenten-Navi“ und redet hemdsärmelig Klartext. Alles, was in diesem Buch steht, ist schon zigmal geschrieben und gesendet worden - aber noch nicht von Hannes Jaenicke.

          Wer sagt denn, dass Bücher originell sein müssen? Es genügt offensichtlich, mit einem groben Recherche-Rechen Informationen zusammenzukehren, meist von den Archivwiesen jener Medien, die zunächst unter Generalverdacht gestellt werden. Dann muss man nur noch mit viel Wut im Bauch losschreiben.

          Nachdenken genügt

          Garniert wird die Zusammenschau unserer Konsum-Misere mit schnippischen Kommentaren à la „Na dann, Prost“ und „Tja“ und sehr vielen, sehr andeutungsvollen drei Pünktchen ... Eingestreut werden „amüsante Episoden“ von Dreharbeiten sowie Anekdoten „aus dem Nähkästchen“. Als Quelle dient auch mal die anonyme, aber „erfahrene Internistin“, die per Fußnote legitimiert wird („Gespräch vom 28. 11. 2012“). Immerhin: Jaenicke scheut sich nicht, Sportidolen wie Maria Höfl-Riesch oder [...] deren werbliches Engagement für „Junk-, Süß- und Fertigfraß“ vorzuwerfen. Ihm folgend, wird man künftig nur Uhren der Nobelmarke Jaeger-LeCoultre tragen (CO2-neutrale Produktionsweise, Unterstützung von Umweltprojekten).

          Jaenicke will zum „Umdenken“ anleiten, wo simples Nachdenken genügte. Würde sein Buch tatsächlich von jener zum Narren gehaltenen Kundschaft gelesen, die ihrer Informationspflicht in Dauerwerbesendungen nachkommt, wäre womöglich etwas gewonnen. Dann könnte man sagen: Respekt, Jaenicke. Aber so? Ganz ehrlich, Leute.

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