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Ulf Nilsson gestorben : Wie zum allerersten Mal

Ulf Nilsson Bild: dpa

Mit Büchern wie „Herz Schmerz“ oder „Kommissar Gordon“ wurde der schwedische Kindbuchautor Ulf Nilsson auch in Deutschland berühmt. Jetzt ist er gestorben.

          2 Min.

          Liebe und Tod, Gott und das Nichts, Schönheit und Gefährdung unserer Welt: Es gibt kaum eine der ganz großen Fragen, die nicht in den Kinder- und Jugendbüchern unserer Zeit verhandelt würden. Oft genug wundert man sich darin über einen Erzählstil, der sich herunterbeugt zum Kind, der doziert und erklärt, statt sich zur eigenen Ratlosigkeit gegenüber diesen Dingen zu bekennen. Oder der auf der anderen Seite in einer solchen Ratlosigkeit verharrt, ohne eine Perspektive aufscheinen zu lassen.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Scheu vor großen Fragen hatte Ulf Nilsson ersichtlich nicht. Geboren 1948 in Helsingborg, wurde der Autor von insgesamt über hundert Büchern in Deutschland weithin bekannt, als sein Kinderbuch „Die besten Beerdigungen der Welt“ 2006 in der Übersetzung von Ole Könnecke im Frankfurter Moritz Verlag erschien. Es geht darin um das ebenso neugierige wie zupackende Mädchen Ester, das den Fund einer Hummelleiche mit den Worten „endlich passiert was“ quittiert und nach der erfolgten Grablege des Tiers eine „Beerdigungen AG“ gründet und sich dieser Aufgabe mit großem Ernst widmet, hinter dem man ein wundervolles Spiel ahnt – kein Widerspruch, wie das zu Recht gefeierte Buch deutlich macht, in dem Eva Erik­ssons Bilder Ulf Nilssons Geschichte auf das Schönste interpretieren und bisweilen sogar unterlaufen.

          Wie man zum Dichter wird

          Vor allem aber ist das Unternehmen der Kinder der Anlass für den Ich-Erzähler des Buches, ein Talent zu ent­decken, für das er bisher noch keine rechte Verwendung hatte: das Verfassen von Beerdigungsgedichten. Wie eine unerwartete Situation denjenigen, der in sie gerät und von ihr an die Grenze gebracht wird, herausfordert und damit auch verändert, ist anderen Büchern Nilssons abzulesen, am schönsten vielleicht in „Herz Schmerz“. Was die Liebe mit einem Jungen wohl im Grundschulalter macht, lässt Ulf Nilsson einen solchen Jungen selbst erzählen, und die Bandbreite der Wirkungen dieses elementaren Gefühls ist groß. Nicht nur weil sie ein Zeitgefühl, eine persönliche Chronologie strukturiert (die Zeit, bevor er Britta kannte, der Moment, als er sich verliebte, die Zeit seither), sondern auch in den Entscheidungen, die allesamt aus dem nüchtern betrachteten, darum nicht weniger großen Gefühl resultieren. Und in den Fähigkeiten, die der Junge entwickelt, etwa zu dichten – wenn er „Herz“ auf „Schmerz“ reimt und von dem Klang begeistert ist, dann klingt das verbrauchteste Reimpaar der Welt auch für den Leser neu und frisch.

          Wie kommt das? Nilsson, studierter und den Beruf auch ausübender Bibliothekar, betrachtete seine Figuren, zu denen auch die Protagonisten seiner beliebten Tierkrimireihe um Kommissar Gordon gehören, mit Interesse, mit Liebe, aber ohne Kumpanei. Das Staunen über den Reichtum der Welt nehmen wir ihnen ab, gerade weil Nilsson ihnen ihr eigenes Rätsel lässt und uns zugleich die Möglichkeit eröffnet, ihre Erfahrungen zu teilen. Nun ist er gestorben, wenige Tage nach seinem 73. Geburtstag.

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