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Überraschende Trennung : Abbau der Chefs bei Aufbau

Tom Erben (links) und Rene Strien auf der Frankfurter Buchmesse Bild: Kaufhold, Marcus

Damit hatte niemand gerechnet: Der Aufbau-Verlag verliert seine beiden langjährigen Geschäftsführer René Strien und Tom Erben. Es gab keine Gemeinsamkeiten mehr mit dem Eigentümer Matthias Koch.

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          Zur Insolvenzmasse des traditionsreichen Berliner Aufbau-Verlags, des wichtigsten literarischen Hauses in der DDR, gehörten 2008 auch dessen beide Geschäftsführer René Strien und Tom Erben. Ihnen war es nicht anzulasten, dass der 1990 überdimensioniert in die Marktwirtschaft gestartete und im Jahr danach von dem Frankfurter Unternehmer Bernd Lunkewitz gekaufte Verlag in Turbulenzen geraten war – der Eigentümer hatte keine Lust mehr, weiteres Geld aus seinem Privatvermögen für Aufbau lockerzumachen. Darauf beruhte aber die damalige Geschäftsgrundlage.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Der neue Eigentümer, Mathias Koch, ein Berliner Investor, der das Haus aus der Insolvenz heraus übernahm, behielt Strien und Erben. Bis jetzt, da Aufbau bekanntgab, dass man sich von den beiden Geschäftsführern trennen werde. So bleibt dem Haus vorerst nur noch einer: Mathias Koch selbst, der sich bislang vor allem um die finanziellen Geschicke gekümmert hatte, während Strien und Erben das Programm bestimmten. Und das taten sie gut. Als Koch dann 2012 auch noch die „Andere Bibliothek“ aus der Insolvenzmasse des Eichborn-Verlags erwarb, sah man Aufbau auf dem Weg zu alter Stärke, doch die von Hans Magnus Enzensberger gegründete bibliophile Buchreihe wurde als verlegerisch eigenständige Tochter in die Verlagsgruppe integriert. Dagegen gehört der ebenfalls zugekaufte Blumenbar Verlag wie auch der von Erben selbst neu aufgebaute Imprint Metrolit organisatorisch unmittelbar zu Aufbau und wurden deshalb bislang auch von Strien und Erben geleitet.

          Selbstherrlicher Rausschmiss

          Erfolg brachten Aufbau zuletzt vor allem die Neuausgaben des Werks von Hans Fallada, die sich nicht nur in Deutschland blendend verkauften, sondern mehr noch im Ausland. Mag sein, dass diese Erlöse gewisse Schwächen des restlichen Programms kaschiert haben. Wobei es Strien und Erben gelungen war, verheißungsvolle junge Autoren zu Aufbau zu holen, und das nicht nur in den dezidiert als Avantgarde- (Metrolit) beziehungsweise anspruchsvollem Verlag (Blumenbar) positionierten Töchtern. So ist zum Beispiel die Schriftstellerin Sabrina Janesch mit zwei weithin beachteten Romanen bei Aufbau verlegt worden.

          Über die genauen Gründe für die Trennung gibt es bislang nur die Auskunft: „unterschiedliche Auffassung über die künftige strategische Ausrichtung“. Das klingt nach einem Rausschmiss durch den bekanntermaßen selbstherrlichen Koch. Schon in der nächsten Woche soll die Nachfolge geregelt sein und auf einer Mitarbeiterversammlung vorgestellt werden. Ein ambitionierter Zeitplan, der für längeres Wissen um die Trennung spricht. Schön, wenn sich solche Ambitionen auch weiterhin dem Aufbau-Programm widerspiegeln.

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