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Trump-Biographie : Er baut einfach alles, manchmal auch Mist

Arbeiterklasse 2.0: Trump-Anhänger feiern die Energiewende rückwärts. Bild: Getty

Biograf Michael D’Antonio verspricht der interessierten Welt „Die Wahrheit über Donald Trump“. Doch die Analyse des Krawallkandidaten versteckt sich in einem eher unterbelichteten Buch.

          4 Min.

          Intellektuelle sind politisch beschränkt. Nicht immer, nicht überall, aber doch notorisch da, wo es, wie oft, in der Politik um Dinge geht, von denen sie nichts verstehen: Irrationalität zum Beispiel, Bellen aus dem Bauch, Sturheit und andere, soziobiologisch tief im Unwesen Mensch verankerte Hordeneigenschaften, die bei Kopfmenschen eher verkümmert sind.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Wenn ihnen dergleichen also im großen Format begegnet, pfeifen sie im Dunkeln, weil der Schatten des Unverständlichen so finster ist, und reden von Blödheit. Helmut Kohl, ein Genie der Macht, war für sie „Birne“; Ronald Reagan, bis zu seiner Alzheimererkrankung wohl der charmanteste politische Conferencier des Fernsehzeitalters, galt ihrem anspruchslosen satirischen Affekt als Cowboy-Idiot, und so geht das wohl ewig weiter.

          Der amerikanische Investigativreporter, Auflagenerfolgsmensch und mehrfach von seinen peers mit Journalistenpreisen ausgezeichnete Publizist Michael D’Antonio ist ein mustergültiger Intellektueller, und sein Zugang zum nicht nur für seinesgleichen beunruhigenden politischen Aufstieg des Immobilienhais, Fernsehkaspers und nunmehrigen Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei der Vereinigten Staaten von Amerika sieht leider auch ganz so aus.

          Was haben wir Hochschulreife

          D’Antonios Buch „Die Wahrheit über Donald Trump“ ist eine psychologisierende Riesenkarikatur in Öl auf Leinwand, die nichts auslässt, was gebildete und geschmackvolle Menschen am Gegenstand der Studie gruselt: die „bruchstückhaften Wortfetzen“, mit denen Trump als Knüppelrhetor Stimmung macht, die „Vulgarität“ seines Lebensstils und sein ständiges Stören des Unterrichts auf einer Privatschule, die er besuchen durfte, kommen alle ins schlechte Zeugnis, das ihm der Enthüller ausstellt.

          Die öde Grundmelodie „Primitivling erfrecht sich wider höhere Werte“ schlägt gegen Trump bei uns in Deutschland inzwischen selbst ein so wenig zimperlicher Stilist wie der Boulevardzeitungs-Kolumnenschreiber Franz Josef Wagner an, der Trump für den Fall, dass jener das höchste öffentliche Amt der Vereinigten Staaten von Amerika erringen sollte, grimmig weissagt, nach ihm könne auf diesen Posten nur noch ein Pferd oder ein Affe kommen. Was haben wir gelacht, beziehungsweise: Was haben wir Hochschulreife.

          Im Ernst: Anstatt, wie sich das für Medien gehörte, die es mit Information und Meinungsbildung ernst meinen wollten, ausdauernd und völlig humorlos immer wieder die simple Frage zu stellen, wie Trump sein Versprechen, elf Millionen Leute, die in dem Land leben, das er regieren will, ohne Lager und Bürgerkrieg gegen ihren Willen fortzuschaffen, vertreiben sich kritische Eierköpfe im Fernsehen, im Netz, in den Printmedien und in Büchern wie diesem die Zeit mit Klagen über seine mangelnde Subtilität und blasen ihm ihre heiße Luft in die absurde Frisur.

          Man treibt also Charakterstudien und hat keine Lust aufs Politisieren, selbst wenn das spannend wäre: Als der texanische Senator Ted Cruz jüngst auf dem republikanischen Parteitag die erwartete offizielle Unterstützungserklärung für Trump verweigerte und den Wählern stattdessen trotzig empfahl, sie sollten im November darauf achten, ihre Stimme nur einer Person zu geben, die ihre Freiheiten und die Verfassung schützen werde, redete alle Welt darüber, dass dies nun wohl die Rache für Trumps grobianische Attacken auf die Frau und den Vater des Vorwahlrivalen sei. Was aber so gut wie gänzlich unerörtert blieb, war der Sachgehalt der vergifteten Pfeilspitze, die Cruz abgeschossen hatte, nämlich die Frage, was die Verfassung der Vereinigten Staaten noch wert ist.

          Barack Obama nutzt, wie man weiß, zum Regieren in ungewöhnlichem Ausmaß das Instrument des präsidialen Erlasses, worüber sich Konservative gern aufregen, die Cruz jetzt aber darauf hingewiesen hat, dass das unter Trump wohl nicht nur kein bisschen besser, sondern eher schlimmer werden dürfte. Das kann man sogar D’Antonios ansonsten verfahrenspolitisch eher unterbelichtetem Buch entnehmen, denn dem Kritiker ist aufgefallen, dass der Kandidat inzwischen gewohnheitsmäßig jede Menge Dinge verspricht, die ein Präsident eigentlich weder entscheiden noch allein durchsetzen kann, wenn die Verfassung mehr als ein Fetzen Papier sein soll.

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