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In der Sommerfrische: Theodor W. Adorno in Bar Harbor, an der Ostküste Maines, August 1940 Bild: Adorno Archiv

Adornos „Minima Moralia“ : Der Sound des Nein

  • -Aktualisiert am

Vor siebzig Jahren erschienen Theodor W. Adornos „Minima Moralia“, 173 Aphorismen über das Richtige im falschen Leben. Warum und wie man sie heute noch lesen sollte.

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          Adorno? Heute, da die zur Diskurstheorie umfunktionierte Vorstellungswelt der Frankfurter Schule den Geist und Geschäftsbetrieb akademischer Einrichtungen weitgehend bestimmt, ist kaum mehr vorstellbar, wie elektrisierend diese Gründerfigur in der noch jungen Bundesrepublik gewirkt hat.

          Wie Heidegger, als dessen Antipode er sich verstand, trat Adorno mit einer scharfzüngigen Zeitkritik an die Öffentlichkeit, die bis ins gehobene Feuilleton hinein Wellen schlug. „Es gibt nichts Harmloses mehr“ – „Das Ganze ist das Unwahre“ – „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“.

          Nachzulesen waren diese Sätze in den „Minima Moralia“, die der frisch gegründete Suhrkamp Verlag 1951 herausbrachte. Seinen Rang verdankt dieses Jahrhundertwerk jedoch nicht nur diesen pointensicheren, längst in die Bildungssprache eingewanderten Formulierungen. Im Rückblick ebenso bedeutsam ist der Versuch, sich den grundstürzenden Erfahrungen des Krieges und der Vernichtung zu stellen. Für Adorno hieß das, die Routinen auszusetzen und eine Sprache, die der Situation gerecht würde, überhaupt erst zu finden: eine Sprache, die von sich behaupten könnte, wenigstens nicht falsch und verschlissen zu sein.

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