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Zum Tod von Hellmuth Karasek : Der überschäumende Ausgleicher

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Autor, Kritiker, Moderator und Journalist: Hellmuth Karasek (4. Januar 1934 bis 29. September 2015) Bild: dpa

In Marcel Reich-Ranickis „Literarischem Quartett“ war er die ausgleichende Kraft, manchmal die Stimme der Zuschauer. Dabei kannte ihn das Land als einen seiner profiliertesten und populärsten Kulturjournalisten. Zum Tod von Hellmuth Karasek.

          Wann immer Hellmuth Karasek auftauchte, schien er von ungeheurer Vitalität: Immer schon mittendrin in einer Anekdote, war er der geborene Plauderer, der zwischen Klatsch und Esprit changieren konnte wie kein Zweiter. „In dubio Prosecco!“, lautete sein Schlachtruf, und im Getümmel ging es dementsprechend munter zu.

          Erst vor wenigen Wochen rezensierte er in einem Werbespot mit der für ihn typischen Mischung aus Gusto und Selbstironie den neuen Ikea-Katalog – eine  Hommage an seinen langjährigen Freund und Mitstreiter Marcel Reich-Ranicki, der einst zu Werbezwecken das Telefonbuch besprach.

          Im Frühjahr erschien seine Witzgeschichte „Das find ich aber gar nicht komisch!“ – der letzte Band in einer beeindruckend langen Reihe von Buchveröffentlichungen, die von Sammlungen seiner „Tagesspiegel“-Kolumnen („Karambolage“, 2002) bis zum Glossenband „Frauen sind auch nur Männer“ (2013) reichten, von seinem literarischen Debüt, dem journalistischen Schlüsselroman „Magazin“ (1998), bis zu dem so bewegten wie bewegenden Erinnerungsband „Auf der Flucht“ (2004) und dem trotzigen Alters-Bestseller „Süßer Vogel Jugend“ (2006). 

          Mit Sicherheit war er gespannt auf die Neuauflage des „Literarischen Quartetts“, die am Freitag im ZDF startet. Doch jetzt ist Hellmuth Karasek am Dienstag  in Hamburg gestorben. Er wurde 81 Jahre alt.

          Begonnen hatte der als eines von fünf Kindern im mährischen Brünn geborene Sohn eines Tischlermeisters seine lange und wirkmächtige Kritikerkarriere als Mann des Theaters, der in den sechziger Jahren Monographien über „Dramatiker des Welttheaters“ wie Carl Sternheim und Max Frisch veröffentlichte.  1968  wechselte der junge Feuilletonchef der „Stuttgarter Zeitung“ zur „Zeit“, für die er vor allem Theaterkritiken schrieb. Die Boulevardkomödie „Die Wachtel“, die 1985 einem gewissem Daniel Doppler zur Popularität verhalf, ging ebenso auf Karaseks Kreativkonto wie die Stücke „Hitchcock, eine Komödie“ und „Innere Sicherheit: Fünf politische Akte“.

          Mittlerweile als Leiter des Kulturressorts zum „Spiegel“ gewechselt, riss die Liste seiner Buchveröffentlichungen nicht ab, darunter eine Auseinandersetzung mit Bertolt Brecht als Dramatiker („Der jüngste Fall eines Theaterklassikers“, 1978), eine Biographie des Regisseurs Billy Wilder oder ein autobiographisch gefärbtes Porträt der fünfziger Jahre („Go West!“, 1996). Ab 1997 war der Kulturenergetiker Mitherausgeber des „Tagesspiegel“ und etablierte sich als Kolumnist, der amüsante Anekdoten aus dem Kulturleben auftischte. In den letzten zehn Jahren schrieb er vor allem für die „Welt“ und die „Welt am Sonntag“. Doch schon früh und ganz unabhängig von seinen jeweiligen Arbeitgebern war Hellmuth Karasek einer der bekanntesten und populärsten Kulturjournalisten des Landes.

          Karasek im Juli 1991 zusammen mit seinen Kollegen aus dem „Literarischen Quartett“ Sigrid Löffler und Marcel Reich-Ranicki.

          Die schnellen Wechsel von Themen und Topoi gehörten zu Hellmuth Karaseks Naturell, der in jeder seiner Rollen stets seiner Überzeugung folgte, dass die Kunst des Erzählens darin besteht, „eine Katze mit maximalem Effekt aus dem Sack zu lassen“. So erlebten ihn auch die Zuschauer des „Literarischen Quartetts“, das ihn ab 1988 als Sparringspartner von Marcel Reich-Ranicki landesweit bekannt machte. Dabei verstand Karasek es trefflich,  zwischen den mitunter rigiden Meinungspolen von Sigrid Löffler und Reich-Ranicki zu navigieren, die Gemüter zu beschwichtigen, wenn es allzu hoch herging, und in seiner heiteren Gutmütigkeit, seinem Scharfsinn und seiner Aufgekratzheit so etwas wie die Stimme der Zuschauer zu sein, der Hochkultur ebenso zugewandt wie der Unterhaltung verpflichtet.

          Im Dezember 2014 besuchen Karasek und seine Ehefrau Armgard eine Spendengala in Berlin.

          Er habe sich fest vorgenommen, sich nicht unter seinem Niveau zu ärgern, sagte Hellmuth Karasek gern. Gemessen an seiner Gutaufgelegtheit, war das Niveau sehr hoch.

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