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Buchsensation in Frankreich : Sie nennen es eine Atombombe

  • -Aktualisiert am

Françoise Sagan auf einem undatierten Foto Bild: Picture-Alliance

Ein bisher unveröffentlichter Roman von Françoise Sagan ist die Buchsensation in Frankreich. Doch wie sensationell ist „Les quatre coins du cœur“ wirklich?

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          Vor einigen Wochen berichteten wir über ein mysteriöses Buch, über das sich die Pariser Verlagswelt kurz vor den Sommerferien den Kopf zerbrach. Es war eines, über das man nichts Konkretes wusste, weder den Namen des Autors noch den des Verlags, von dem man aber immer wieder hörte, es würde den französischen Buchmarkt in gigantischer Auflage (250.000!) fluten. Damals klang die ganze Sache eher wie ein Scherz. Wie ein Gerücht, das man sich in der Branche zuflüstert, ein Marketing-Gag, hinter dem sich wenig bis gar nichts verbirgt. Und wahrscheinlich dachte in diesem September auch kaum noch einer an das sogenannte „livre mystère“, bis die verlegerische „Atombombe“, von der die Zeitung „Le Monde“ im Juli als erste geschrieben hatte, vor zehn Tagen tatsächlich abgeworfen wurde. Da hörte man um kurz vor acht Uhr morgens die zarte Stimme von Denis Westhoff, dem Sohn der Schriftstellerin Françoise Sagan, im Radiosender France Inter verkünden: Ja, dieses mysteriöse Buch existiere wirklich, es sei ein unveröffentlichter Roman seiner Mutter.

          Ein „neuer“ Sagan also, oder besser gesagt: ein unfertiger, in weiten Teilen lückenhafter Roman, mehr ein Entwurf, ein Haufen loser, ungeordneter Blätter, den seine Mutter irgendwann in den achtziger, neunziger Jahren angefangen haben muss und den nun er, der Sohn, korrigiert und mehr oder weniger fertiggeschrieben hat. Alles in allem sei dieses Werk, so sagte er im Radio und in diversen Interviews, die natürlich sofort folgten, „heftig saganesk“.

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