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Emotionaler Missbrauch : Übers Internet manipuliert es sich am besten

Das Smartphone erleichtert Kommunikation – wenn der andere antwortet. Bild: Picture-Alliance

Gelogen und manipuliert wurde in der Liebe schon immer – aber die Beziehungsanbahnung über Dating-Apps spielt dem emotionalen Missbrauch in die Hände. Ein neuer Roman zeigt, wie das funktioniert.

          5 Min.

          Ein Mann manipuliert heimlich die Gaslampen im Haus, damit sie permanent flackern. Als seine Frau ihn auf das Flackern anspricht, antwortet er irritiert, sie täusche sich, keine einzige Lampe flackere. Diese Destabilisierungsstrategie, die auf die Wahrnehmung zielt und die Frau in den Wahnsinn treiben soll, stammt aus einem Theaterstück des britischen Dramatikers Peter Hamilton, das 1938 in London Premiere feierte: „Gas Light“. Der Begriff Gaslighting, der für emotionalen Missbrauch steht, geht auf Hamiltons Stück zurück.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ein Mann lernt über eine Dating-App eine Frau kennen, die ihm wie die Erfüllung einer langen Sehnsucht erscheint, eine Verbündete und Seelenverwandte, liebesbedürftig wie er selbst. Sie ist die Richtige. Er ist der Richtige. Kalina Mickiewicz, die Zahnärztin, und Kristian Sandberg, der Literaturagent, werden schnell ein Paar und „Sandbergs Liebe“, so der Titel des Romans von Jan Drees, der in diesen Tagen im Secession Verlag erschienen ist, ist groß. Die Liebe seiner Freundin Kalina entpuppt sich indes nach und nach als narzisstische Eigenliebe, die den neuen Mann an ihrer Seite zerstören will. Nach knapp vier Wochen spricht das Paar zum ersten Mal über Heirat, per Chat: „Wie würdest du reagieren, wenn ich dir einen Heiratsantrag machte?“ schreibt Kristian, und Kalina antwortet: „Kristian, wenn du mir einen Antrag machen würdest, müsste ich vor Glück weinen.“

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