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Thesaurus Linguae Latinae : Zehn Millionen Zettel und kein Ende

Schatzmeister im Wörtermeer: Generalredaktor Michael Hillen im Archiv des Thesaurus Linguae Latinae in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Bild: Gordon Welters/The New York Times

Wie lange noch rückt der Thesaurus Linguae Latinae dem Lateinischen zu Leibe? Der Gründer hatte 1894 angenommen, das Wörterbuch in zwanzig Jahren abzuschließen. Noch immer schwärmen die Redaktoren von ihrer Arbeit.

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          „Arma virumque cano“, das kennt jeder halbwegs bis ins Endstadium des Latinums vorgerückte Schüler als den Anfang von Vergils „Aeneis“. Es gibt einen mystischen Ort, an dem man nicht nur jedes einzelne der 66.900 Wörter dieses Versepos kennt, sondern auch, wo es herkam und welchen Bedeutungswandel es in tausend Jahren erlebt hat. In einem „Palast“, wie die „New York Times“ schrieb, befindet sich dieser Ort, genauer: im ehemaligen Stadtschloss der Wittelsbacher, in der Münchner Residenz. Die Bayerische Akademie der Wissenschaften residiert hier im Nordostflügel, mit Blick auf den Hofgarten und die Bayerische Staatskanzlei – in Rufweite des Ministerpräsidenten.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Lange ein der Öffentlichkeit den Rücken kehrendes Forschergärtlein, hat sich die Institution in den letzten Jahren deutlich nach außen geöffnet. Das gilt auch für ein singuläres Forschungsprojekt, den „Thesaurus Linguae Latinae“ (TLL), das „Schatzhaus der lateinischen Sprache“, das erste – und einzige – umfassende Wörterbuch antiken Lateins bis ungefähr ins Jahr 600 nach Christus. So weit die Selbstbeschreibung. Angestrebt ist die vollständige Hebung des lateinischen Wortschatzes, aller Bedeutungsvarianten auf Basis möglichst vieler Belegstellen. Das Vorhaben erschließt die bislang langlebigste Verkehrs- und Wissenschaftssprache Europas, auf deren Schultern nicht nur die romanischen Sprachen, sondern gerade auch die Weltsprache Englisch steht.

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