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Amazon : Wie Leser vom Kindle ausspioniert werden

Wer liest hier wen? Amazons Reader Kindle im Einsatz Bild: Picture-Alliance

Neunzigtausend Zeilen und zwei falsche Fragen: Während sich Leser jetzt ein Bild davon machen können, wie sie von Amazons E-Reader ausgelesen werden, erleben Autoren, was es heißt, den Konzern zu kritisieren.

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          Es ist alles eine Frage der experience – des Erlebnisses oder der Erfahrung: Amazon behalte sich vor zu entscheiden, ob Inhalte ein „akzeptables Erlebnis bieten“, schreibt der gigantische Online-Buchhändler schlicht, wenn er darüber informiert, was aus seinem Bücherangebot gestrichen wird. Gerade berichtete David Streitfeld in der „New York Times“, dass Amazon die längste Zeit den Standpunkt vertreten habe, es sei Zensur, also inakzeptabel, Bücher nur deshalb nicht mehr zu verkaufen, weil andere an deren Botschaft etwas auszusetzen hätten. So hatte das Unternehmen noch vor zehn Jahren auf die Empörung geantwortet, dass sich ein Werk namens „Pedophile’s Guide to Love and Pleasure“ in seinem Angebot finden ließ.

          Jetzt lässt Amazon nicht nur nach und nach lange Zeit bedenkenlos verkaufte NS-Bücher aus seinem Sortiment verschwinden, sondern billigt selbst, dass ein Verlag aus dem Fotoband zur hauseigenen Serie „The Man in the High Castle“, in deren Fiktion Nazi-Deutschland auch Nordamerika erobert hat, sicherheitshalber alle Swastika-Abbildungen retouchiert. Streitfeld interessiert daran vor allem, wie weit der Konzern beim Ausmisten in seinem Angebot gehen wird. Die entscheidenden Fragen lässt er in seinem Artikel eine Buchhändlerin aus Kansas stellen: „Was, wenn Amazon sich entscheidet, auch Bücher mit weniger verachtenswerten politischen Standpunkten wegzunehmen? Oder Bücher, die Kritik an den Praktiken von Amazon üben?“

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