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Medienphänomen Serienkiller : Psychopathen als Sympathieträger

  • -Aktualisiert am

Der Serienmörder Ed Kemper, nachdem er 1973 telefonisch um Verhaftung gebeten hatte Bild: Mauritius

Selbst der netteste Nachbar kann Leichen im Keller haben: Der True-Crime-Boom beschert dem Serienkiller eine mediale Renaissance. Was läuft da mit unserer Empathie schief?

          5 Min.

          Kommunalbeamter, Vorsitzender der Kirchengemeinde, Serienkiller. Mindestens zehn Menschen hat Dennis Rader zwischen 1974 und 1991 in Kansas umgebracht. Allerdings genügte es ihm nicht, seine Opfer zu ermorden, er musste sie vorher erniedrigen. Nachdem er bei seinem ersten Blutrausch fast eine ganze Familie ausgelöscht hatte, hinterließ er in der Bibliothek von Wichita einen Brief, in dem er die Tat schilderte. Gezeichnet: „BTK“. Das Akronym steht für „Bind, torture, kill“ – fesseln, foltern, töten. Obwohl der Fall zwischenzeitlich zu den Akten gelegt wurde, gelang es der Polizei, Rader im Februar 2005 zu fassen. Sechs Monate später folgte das Urteil: zehnfache lebenslange Haft.

          Kai Spanke

          Redakteur im Feuilleton.

          Dass er weggesperrt ist, tut seiner medialen Präsenz keinen Abbruch. Rader diente als Blaupause für den Protagonisten in Stephen Kings Novelle „A Good Marriage“ (2010) und erscheint immer wieder in szenischen Vignetten der seit 2017 produzierten Netflix-Serie „Mindhunter“, die vom Beginn der kriminalpsychologischen Analyse beim FBI handelt. Vergangenes Jahr veröffentlichte seine Tochter Kerri Rawson eine Art therapeutisches Memoir, und gerade kam mit „The Last Book on the Left“ ein populäres Sachbuch über Serienkiller heraus, welches auch Rader ausgiebig würdigt. Der Titel schaffte es in die Bestsellerliste der „New York Times“ und ist ein Ableger vom „Last Podcast on the Left“, in dem sich Ben Kissel, Marcus Parks und Henry Zebrowski augenzwinkernd allem nähern, was der reine Horror ist. In ihrem Buch heißt es, Polizisten, die jahrelang an Raders Fersen hingen, hätten sich regelrecht enttäuscht gezeigt, als sie ihn schließlich zu Gesicht bekamen: ein pummeliger Glatzkopf mit Schnäuzer.

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