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Fridtjof Küchemann, Redakteur im Feuilleton

Trumps Memoiren : Stabil

Vorwahlkampfauftritt im Oktober 2015 in Georgia: Ein Anhänger hofft auf eine Signatur Trumps in „The Art of the Deal“. Bild: Picture-Alliance

Wie wird Donald Trump die Memoiren seiner Präsidentschaft veröffentlichen – für hundert Millionen Dollar, wie die „New York Post“ wissen will, oder im Selbstverlag, weil die großen Häuser abwinken? Ein passender Titel zumindest ist schon vergeben.

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          Das sei der Spaß: „Ich versuche, aus der Vergangenheit zu lernen, aber ich plane für die Zukunft, indem ich mich allein auf die Gegenwart konzentriere.“ Von Donald Trump stammt dieser Satz, vom Anfang des Buchs, das ihn berühmt gemacht hat. Genauer gesagt, Tony Schwartz hat es geschrieben. Dem Verfasser, im Buch selbst immerhin als Ko-Autor geführt, wurde nach der Veröffentlichung von „The Art of the Deal“ 1987 vorgeworfen, durch den Bestseller wie Frankenstein ein Monster erschaffen zu haben.

          Jetzt, muss man annehmen, steht ein neues Buch Trumps ins Haus. Für seine Vorgänger war eine Bilanz ihrer Amtszeit ein bewährter Zukunftsplan: eine Einkommensmöglichkeit für die Zeit nach dem Auszug aus dem Weißen Haus. 65 Millionen Dollar, berichtet das Branchenblatt „Publishers Weekly“, habe Barack Obama von Penguin Random House bekommen, allerdings zusammen mit seiner Frau Michelle und gleich für eine ganze Reihe von Büchern, deren jüngstes, „Ein verheißenes Land“, an diesem Dienstag veröffentlicht wird.

          Donald Trump, kolportierte die „New York Post“ vor einer Woche, könne sich vor Buch- und Fernsehshow-Offerten im Gesamtwert von bis zu hundert Millionen Dollar kaum retten. Aber wie steht es um sein Interesse, mit einem der amerikanischen Verlagsriesen ins Geschäft zu kommen, der, wie die meisten von ihnen, nicht allein bereits ein Buch von Trump, sondern inzwischen auch schon eines gegen ihn im Programm hat? Wie um die Bereitschaft der Verlagsmitarbeiter, wie unlängst bei Hachette aus Protest gegen die Veröffentlichung der Memoiren Woody Allens auf die Straße zu gehen (F.A.Z. vom 7. März)?

          Auch wenn allein in der ersten Woche eine Million Exemplare des Buchs verkauft werden könnten: Die großen fünf Verlage könnten auch mit Blick auf die eigene Belegschaft von einem Vertrag mit Trump absehen, schätzt Adam Bellow, der vor elf Jahren Sarah Palins Memoiren bei Harper Collins veröffentlicht hatte, auf Anfrage von „Publishers Weekly“. In der Verlagswelt sei das mangelnde Engagement Trumps für seine eigenen Bücher wohlbekannt, zitiert das Branchenblatt Insider, sowohl was deren Entstehung als auch was deren Vermarktung betreffe.

          Also vielleicht die Veröffentlichung im Selbstverlag? Immerhin kursieren Gerüchte, Trump wolle, auch um sich am abtrünnigen Sender Fox zu rächen, ein eigenes Medienimperium aufbauen. Und immerhin hat sein Sohn Donald Trump Jr. diesen Schritt unlängst mit seinem Buch „Liberal Privilege“ vorgemacht –wenn auch mit mäßigem Erfolg. Tony Schwartz übrigens hätte „The Art of the Deal“ im Nachhinein lieber den Titel „Der Soziopath“ gegeben. Wie wird der abgewählte Präsident die Memoiren seiner Amtszeit nennen? Der Titel „A Very Stable Genius“ ist ja bereits vergeben.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

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