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Luxemburgische Literatur : Hinter der Treppe

Nicht nur hübsch anzusehen: Auch die luxemburgische Literatur hat etwas zu bieten Bild: Frank Röth

Muttersprachen gibt es mehrere, Bücher erscheinen auf Deutsch und Französisch: Warum gilt Luxemburgs Literatur trotzdem als provinziell? Eine Erkundung.

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          Kennen Sie einen luxemburgischen Autor? Sagt Ihnen Guy Helminger vielleicht etwas? Oder sonst jemand? Nein? Woran liegt das? Schreibt da niemand, in Luxemburg? Auch wenn Luxemburg ein kleines Land ist - das ist unwahrscheinlich, oder? Um all diesen Fragen nachzugehen, sind wir also nach Luxemburg gefahren. Und je mehr Zeit man in diesem Land verbringt, desto mehr verwundert es, warum luxemburgische Autoren, noch dazu die auf Deutsch Schreibenden, so spärlich vertreten sind bei uns. Denn auch das, so müssen wir ehrlicherweise zugeben, war nie so richtig klar: Dass Luxemburger häufig auf Deutsch schreiben oder auf Französisch und nur ganz selten auf Luxemburgisch, so dass in vielen Fällen überhaupt keine Übersetzung nötig wäre. Es gibt also einiges zu erfahren über das luxemburgische Schreiben.

          Zum Beispiel von Schriftstellern. Zwei davon sind Elise Schmit und Jeff Schinker. Im Institut Pierre Werner lesen sie aus ihrer Kurzprosa vor. Die eine schreibt auf Deutsch, der andere auf Französisch; doch in "Sabotage", dem Text, den er heute vorträgt, wechselt er mit der Perspektive der vier Protagonisten auch jeweils die Sprache: Französisch, Deutsch, Englisch und Luxemburgisch. Dass die meisten Luxemburger diesen Wechseln einigermaßen selbstverständlich folgen können, zeigt, wie sehr Vielsprachigkeit in Luxemburg Teil des Alltags ist. Die Alphabetisierung beginnt auf Deutsch, später kommt Französisch hinzu. Luxemburgisch wird in der Regel nur mit der Familie, mit Freunden gesprochen. Welche Sprache man für sein Schreiben wählt, hat unterschiedliche Gründe: "Mein Vater ist Italiener, deswegen lag mir das Französische immer näher als das Deutsche", erzählt Jan de Toffoli, Verleger und Autor, in fließendem Deutsch. "Bei anderen war es vielleicht Zufall. Ob man als Kind viel Pro Sieben geschaut hat oder so."

          Sprachen und ihre Vorteile

          Zu ihren Vorlieben im Fernsehen äußert Elise Schmit sich nicht, sagt aber, dass das Deutsche mit seiner Genauigkeit ihrer Art zu schreiben sehr gelegen komme. Und tatsächlich ist ihr Stil so ungewöhnlich präzise und durchdacht, dass er fast aus der Zeit gefallen scheint. So ist die Wahl der Sprache nicht immer nur Ausdruck der Biographie, sondern hat auch damit zu tun, was und wie man schreiben möchte. „Ich glaube auf Luxemburgisch bin ich lustiger, schmutziger“, glaubt Schinker. Die Frage der Sprache stellt sich auch abseits der Literatur, im Alltag. In den Cafés der Luxemburger Innenstadt ist häufig unklar, wie man nun seine Bestellung aufgeben sollte. Viele Kellner sprechen nur Englisch. Fast die Hälfte der Einwohner Luxemburgs sind zugezogen, allein rund siebzehn Prozent aus Portugal. Schlendert man durch die Innenstadt, betrachtet die schicken Bistros und die teuren Boutiquen, entsteht der Eindruck, dass eine Menge Leute hier eine Menge Geld verdienen. Autorinnen und Autoren gehören in der Regel nicht dazu.

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