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Lesewege bei Wattpad : Mehr Jane Austen wagen!

Unverschämt attraktiv: Colin Firth als Mr. Darcy in „Stolz und Vorurteil“ Bild: Mauritius

Wer sich um die junge Generation von Lesern sorgt, sollte einen Blick auf die Social-Reading-Plattform Wattpad werfen. Das haben auch Forscher getan – und neben großer Lesebegeisterung Verbindungen zwischen Teen Fiction und Klassikern gefunden.

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          Frauen wollten eben das, was sie nicht haben können, sagt der Junge mit den Tattoos und pult unter den Fingernägeln: „Darcys unverschämte Art hat Elizabeth angezogen. Kein Wunder, dass sie zusammenkommen würden.“ Wer Anna Todds Jugendbuch-Bestseller „After“ liest, bekommt am Rande der Liebesgeschichte eines „good girl“ und eines „bad boy“ auch erzählt, wie Jugendliche über Weltliteratur, über Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ diskutieren. Wie sie im Literaturkurs streiten, über das Buch – und über einander, schließlich hat auch Harry, der junge Mann mit dem eindrucksvollen Bücherregal in seinem Wohnheimzimmer, fraglos etwas Unverschämtes, und Theresa verliebt sich in ihn wider Willen.

          Die Anfänge von Anna Todds Geschichte, lange bevor „After“ auf dem Buchmarkt ankam und schließlich als „After Passion“ auch als Film ein Erfolg wurde, liegen auf Wattpad, einer Social-Reading-Plattform mit weltweit mehr als achtzig Millionen regelmäßigen Lesern. Einer Umfrage zufolge dauert dort eine Lese-Session im Schnitt 37 Minuten, in 85 Prozent der Fälle wird auf dem Smartphone gelesen. Doch die Leser beschränken ihre Lektüre nicht etwa auf Bildschirme: Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, zusätzlich ein bis zwei Bücher im Monat zu kaufen, am allerliebsten Taschenbücher. Sie mögen es, das Papier zu fühlen und sich am Seitenrand Anmerkungen zu machen, und sie finden es richtig, dass Autoren für ihre Bücher auch bezahlt werden.

          Bei Wattpad veröffentlichen die Autoren ihre Texte zunächst online und umsonst. In der Hoffnung auf Resonanz – und darauf, dass die bis ins Detail ausgewerteten Leserreaktionen nahelegen, den Text wie im Fall von Anna Todd als Buch zu verlegen – oder gar zu verfilmen. Fürs Erste wird er auf der Plattform von den Lesern kommentiert, Absatz für Absatz. So kann man auch bei Wattpad verfolgen, wie Jugendliche über Literatur diskutieren. Außerhalb der Schule, ohne den Erwartungsdruck Erwachsener, aber in aller Öffentlichkeit. Ein Glück für Leseforscher und ein Hoffnungsschimmer für alle, die sich um die Zukunft des Lesens sorgen. Anlass dafür gibt es reichlich.

          Wer liest denn noch?

          Der Ende März veröffentlichten „Jim-Studie“ zum Mediennutzungsverhalten von Teenagern 2019 zufolge hat der Anteil Jugendlicher im Alter von 12 bis 19 Jahren, die „mindestens mehrmals pro Woche gedruckte Bücher zum Vergnügen“ lesen, im vergangenen Jahr den tiefsten Stand des vergangenen Jahrzehnts erreicht. Pendelte er zuvor um die Vierzig-Prozent-Marke, liegt er aktuell bei nur 34 Prozent. In der 8. oder 9. Klasse haben etwa zwei Drittel der Jugendlichen das Freizeitlesen fast eingestellt, bestätigt die Literaturdidaktikerin Cornelia Rosebrock von der Universität Frankfurt.

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