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Eine ängstliche Felicitas Hoppe? Ach was, Karlheinz Koinegg lässt wohl eher den Totenkopf um mangelnde Beachtung fürchten. Bild: Karlheinz Koinegg

Videoserie Thomas Mann House : Was am Beginn aller Unfreiheiten steht

1941 proklamierte der amerikanische Präsident Roosevelt vier grundlegende menschliche Freiheiten. Die wichtigste: Angstfreiheit. Auf Einladung des Thomas Mann House nehmen Künstler in Videos dazu Stellung.

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          Ein Jahrestag am Donnerstag kann mit seiner Schnapszahl prunken – und mit der berauschenden Wirkung dessen, wofür er steht. Vor 88 Jahren, am 4. März 1933, wurde Franklin D. Roosevelt ins Amt als amerikanischer Präsident eingeführt, und in seinen insgesamt zwölf Amtsjahren zeigte er sich als wehrhafter Verteidiger der Demokratie, was ihm nicht zuletzt die Bewunderung des seit 1938 in den Vereinigten Staaten lebenden Thomas Mann eintrug. So ist es konsequent, dass das Thomas Mann House, die zum Forum für amerikanisch-deutschen Kulturaustauch umgebaute frühere Wohnstätte des exilierten Schriftstellers in Pacific Palisades, am Donnerstag die erste Folge einer insgesamt vierzehnteiligen Serie fünfminütiger Videos online stellt, die unter dem Motto einer der berühmtesten Formulierungen von Roosevelt stehen: „Freedom from Fear“ (Angstfreiheit).

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Sie gehörte zu jenen vier Grundfreiheiten, die der Präsident 1941 für alle Menschen deklarierte: Sie sollten Meinungs- und Glaubensfreiheit genießen und frei von Armut und eben Angst sein. In den damaligen Kriegszeiten klang das utopisch.

          1948 aber gingen diese vier Freiheiten in die UN-Menschenrechtscharta ein; mit der Umsetzung hapert es bis heute. Und in gewisser Weise umfasst die Angstfreiheit alle anderen Freiheiten. Deshalb steht sie im Mittelpunkt der Aussagen von vierzehn internationalen Intellektuellen, die in ihren als „transatlatischer Dialog“ konzipierten Videobeiträgen erzählen, was ihnen Angstfreiheit bedeutet, darunter Peter Sellars, Sasha Waltz, Sam Durant, Rosa Barba und Mohamed Amjahid. Den Auftakt macht auf der Youtube-Seite des Thomas Mann House die Berliner Schriftstellerin Felicitas Hoppe, die in ihrem Filmbeitrag auch Auskunft gibt über ihr derzeit in Arbeit befindliches Projekt einer Nacherzählung des Nibelungenlieds (einer fürwahr angstgesättigte Geschichte), wozu sie Zeichnungen ihres Kollegen Karlheinz Koinegg zeigt, der auf ebenso witzige Weise wie Hoppe selbst die Arbeitsumstände und Selbstbefragungen der Schriftstellerin illustriert hat (unsere Abbildung).

          Und wer am Donnerstagabend oder an den folgenden zehn Tagen am Maxim-Gorki-Theater in Berlin vorbeikommt, kann dort auf der Fassade der Studiobühne diesen Film und noch fünf weitere Teile der Videoreihe sehen, die dort projiziert werden. Bilder gegen die Angst? Leider thematisch derzeit denkbar aktuell.

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