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Georg M. Oswald im Gespräch : Was das Abkommen TTIP für die Literatur bedeutet

Leitet seit Oktober 2013 den Berlin Verlag: Georg M. Oswald Bild: dpa

Die Buchpreisbindung schützt Verlage und Buchhandel. Warum wir fürchten müssen, dass sie beim Handelsabkommen TTIP geopfert wird: Ein Gespräch mit dem Verlagsleiter, Autor und Juristen Georg M. Oswald.

          Herr Oswald, viele sehen im derzeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union verhandelten Freihandelsabkommen eine Bedrohung. Welche Auswirkungen könnte es für den deutschen Buchmarkt haben?

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Ein Instrument wie die Buchpreisbindung ist dem amerikanischen Buchmarkt fremd. Es ist anzunehmen, dass die Vereinigten Staaten sie als ein Handelshemmnis betrachten, das fallen sollte. Es gibt in Deutschland aber um die fünftausend unabhängige Buchhandlungen. Ohne Buchpreisbindung wären es sehr viel weniger.

          Sollte man die Buchpreisbindung, die ja einen Schutz für Vielfalt und Qualität darstellt, nicht vielmehr ausweiten - etwa auf E-Books und Hörbücher?

          Wenn man Angebotsvielfalt erhalten will, sollte man das tun. Es wäre aber auch nötig, Regelungen zu schaffen, welche die Umgehung durch Internetangebote aus dem Ausland erschweren.

          Bekämen wir ohne Buchpreisbindung nur noch Taschenbücher auf Recyclingpapier?

          Die Massenware würde billiger und qualitativ schlechter werden, die in Inhalt und Aufmachung hochwertigen Bücher teurer, oder sie würden überhaupt nicht mehr gemacht, weil sie sich nicht mehr kalkulieren lassen. Ob das schlimm wäre, beantworten uns im Verlag die amerikanischen und englischen Autoren, wenn wir ihnen die deutschsprachigen Ausgaben ihrer Bücher schicken. Dann schwärmen sie von den „unique standards of fine german bookmaking“: ein anschauliches Beispiel für einen kulturellen Unterschied, den es zu bewahren lohnt.

          Setzt man sich denn genug dafür ein?

          Kulturelle Belange spielen, gemessen am Gesamtvolumen des Abkommens, nur eine geringe Rolle, die Rede ist von zwei Prozent. Daher liegt die Befürchtung, der Fall der Buchpreisbindung könnte als unwesentliches Zugeständnis betrachtet werden, nicht fern.

          Wie sehen Sie die Forderung des PEN nach einer Generalklausel im Abkommen zum Schutz von Kultur?

          Sie ist sinnvoll. Es gibt eine Unesco-Konvention, die „kulturelle Vielfalt“ als Allgemeininteresse völkerrechtlich anerkennt. Die Vereinigten Staaten haben diese Konvention nicht unterzeichnet. Wird eine derartige Klausel in das Abkommen aufgenommen, könnte sie als Rechtsgrundlage für europäische Besonderheiten dienen. Wie tragfähig so eine Klausel wäre, müsste sich dann allerdings in der Praxis zeigen. Besser wäre es, die Dinge würden festgeschrieben werden. Aber es fehlt an Transparenz und Information über Inhalt und Stand der Verhandlungen.

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