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Traditionsbuchhandlung Osiander : Alles, bloß keine Quietscheenten

Neuer Blick auf die Stadt: Konsumpause auf dem begrünten Dach. Bild: Setzer, Claus

Thalia, Weltbild und Hugendubel bauen ab, weil sie dem Ladengeschäft mit Büchern nicht mehr viel zutrauen. Die Tübinger Traditionsbuchhandlung Osiander stemmt sich gegen diesen Trend und eröffnet eine Filiale in Frankfurt.

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          Anders als die Konkurrenz ist Heinrich Riethmüller die Entspanntheit in Person. Man könnte jetzt sagen, der Mann hat gut lachen, weil er einfach alles richtig macht. Dass ihm das in einer angeblich sterbenden Branche gelingt, macht ihn als Fall interessant: Riethmüller ist einer der erfolgreichsten Buchhändler im Land. Am Buchmessen-Sonntag wird er achtundfünfzig Jahre alt, danach lässt er sich in die Repräsentationspflicht nehmen. Er wird Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und folgt in diesem Amt Gottfried Honnefelder. Präsidialer Gestus dürfte dem zierlichen Schwaben fernliegen - er kommt eher aus der Abteilung „Schaffe“.

          Hannes Hintermeier
          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Osiander in Tübingen: Die Buchhandlung, die Riethmüller zusammen mit fünf Familienmitgliedern - drei Frauen, drei Männern - als Geschäftsführer leitet, ist eine der ältesten Deutschlands. 1596 gegründet, firmiert sie seit 1813 unter dem Namen Osiander, seit 1920 ist sie im Besitz der Familie Jordan-Riethmüller. Der heute verwendete Slogan „Am Anfang war das Buch“ mutet im Lichte dieser Historie gar nicht so biblisch an. Die Osiandersche ist auf mittlerweile dreißig Filialen angewachsen; zwanzig neue sollen in den nächsten zehn Jahren dazukommen. Marktführer DBH (Weltbild und Hugendubel) verfügt über 420, die zweitplazierte Thalia über knapp dreihundert Läden.

          Die Omni-Channel-Strategie

          Stark auf den Südwesten konzentriert, hat Osiander soeben in Frankfurt am Main in der Skyline Plaza seine nördlichste Dependance eröffnet - ein weiteres Ausgreifen gen Norddeutschland ist nicht geplant. Expansion ist ohnehin ein Wort, das sich mit dem Sortimentsbuchhandel kaum mehr verbindet. Der musste auch 2012 wieder einen Umsatzrückgang hinnehmen. Wachsen tut derzeit nur der Online-Handel mit der Wirkung, dass er der gesamten Branche im vergangenen Jahr ein leichtes Umsatzplus bescherte. Ein Effekt, den der Einzelhandel kennt - man denke an Schuhe oder Textilien.

          Die Osiandersche hat beizeiten reagiert und sich auf das verlegt, was man heute eine Omni-Channel-Strategie nennt. Man wolle alle möglichen Kundenkreise auf allen möglichen Wegen ansprechen, sagt Riethmüller: „Wir sind eine klassische Familienbuchhandlung.“ Dass der Anteil der Geschenkartikel - Riethmüller vermeidet das Unwort „Non-Book“ - bei einem Umsatzanteil von drei bis fünf Prozent bleibt, darauf legt er Wert. Eine Buchhandlung müsse als Buchhandlung erkennbar bleiben. Die großen Filialisten hätten ihre Eingangsbereiche für Bobby Cars und Lego frei geräumt. Thalia habe in seiner Konzept-Buchhandlung, wie sie im Einkaufszentrum Loop5 in Weiterstadt aufgebaut wurde, „sehr schnell und sehr teuer lernen müssen“, was beim Kunden ankommt. Er wolle dagegen „keine Quietscheenten“.

          Thalias und Hugendubels Vollbremsung

          Der Aufstieg von Osiander ist aus zwei Gründen bemerkenswert: Erstens legt die Konkurrenz von Thalia und Hugendubel gerade eine Vollbremsung hin. Die Douglas-Tochter Thalia, die ein Jahrzehnt lang nur maßlosen Flächenaufbau kannte, demonstriert nun - noch unter Führung jenes Geschäftsführers, der die daraus resultierende Misere anrührte -, wie man den Rückwärtsgang betätigt. Die Zahlen sprechen eine überdeutliche Sprache. Allein im den Jahren 2012 und 2013 haben Thalia und Hugendubel nach Erhebungen des Branchemagazins „Buchreport“ jeweils mehr als zehn- beziehungsweise vierzehntausend Quadratmeter Fläche vom Markt genommen - das entspricht mehr als fünfzig Buchhandlungen vom Typ der Osianderschen, die zwischen drei- und siebenhundert Quadratmeter groß sind.

          Wenn der Gesamtumsatz der Branche dennoch leicht im Plus liegt, sind dafür die stetig wachsenden Online-Umsätze verantwortlich. Weit hinter dem Platzhirsch Amazon konzentrieren sich die Konkurrenten derzeit mit aller Macht auf das E-Book; Weltbild verdient seit seinem Rückzug auf den Online-Katalog wieder ordentlich.

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