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Suhrkamp-Aktionär Hans Barlach : Er spielte alles oder nichts

Kämpfte jahrelang um Suhrkamp: Hans Barlach Bild: dpa

Als Miteigentümer des Suhrkamp Verlags hatte er sich jahrelang einen erbitterten Rechtsstreit mit der Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz geliefert: Der Hamburger Medienunternehmer Hans Barlach ist tot.

          Als der 1955 in Ratzeburg geborene Selfmademan Hans Barlach 2006 im traditionsreichen Suhrkamp Verlag einstieg, war er in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Das änderte sich allerdings rasch. Denn mit aller Macht kämpfte Barlach über seine Schweizer Medienholding um die Vorherrschaft in dem 1950 von Peter Suhrkamp gegründeten Haus. Von Beginn an stritten die Parteien vor Gericht, Barlach überzog den Verlag, die Geschäftsführer und die von Ulla Unseld-Berkéwicz geführte Unseld-Familienstiftung (die 61 Prozent am Verlag besitzt) mit zahllosen Prozessen.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das Ringen um den Verlag wurde mit aller Härte geführt. Ging es zunächst um Kompetenzüberschreitung, geschäftsschädigendes Verhalten und Missmanagement, wurden bald juristische Grundsatzfragen gestellt. Dass ausgerechnet Suhrkamp zur Nagelprobe für das neu eingeführte Insolvenzrecht wurde, gab dem Fall eine zusätzliche Dramatik. Spätestens als Barlach 2013 vor dem Landgericht Frankfurt die Auflösung der gesamten Gesellschaft beantragte, sollte seinen Ansprüchen nicht stattgegeben werden, wurde offensichtlich, worum es dem Enkel des Bildhauers Ernst Barlach ging: um alles oder nichts. Daraufhin stellten sich die Autoren des Hauses – Uwe Tellkamp, Sybille Lewitscharoff, Durs Grünbein, Friederike Mayröcker und viele andere sowie die Erben verstorbener Suhrkamp-Autoren wie Bertolt Brecht, Thomas Bernhard und Hermann Hesse – hinter die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz und erklärten: „Wir gehören zum Suhrkamp Verlag, nicht aber in die Gesellschaft eines, der den Verlag aufs Spiel setzen will.“

          Während Barlach auch Siege vor Gericht errang (die inzwischen alle aufgehoben wurden), geriet der Vorstandsvorsitzende der Medienholding selbst in Bedrängnis. Dem früheren Anteilseigner Andreas Reinhart war er für den Erwerb seiner Suhrkamp-Anteile noch fünf Millionen Franken schuldig geblieben, und ein Schweizer Gericht verurteilte Barlach dazu, diese nach sieben Jahren zu bezahlen. Zur Dialektik dieses in vielerlei Hinsicht irrwitzigen Konflikts gehört aber nicht zuletzt, dass die wohl gravierendste Veränderung des Verlags, die Umwandlung von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft, auf Barlachs aggressives Verhalten zurückgeht, der selbst gleichwohl bis zuletzt alles darangesetzt hat, eben dies zu verhindern.

          Ins Mediengeschäft war Barlach, der seit 1975 als Nachlassverwalter seines Großvaters Ernst Barlach tätig war, 1984 eingestiegen. Er beteiligte sich an der „Hamburger Rundschau“, die er, als sie keine Gewinne abwarf, einstellte. Zeitweilig gehörten ihm auch die Fernsehzeitschrift „TVToday“ und die Boulevardzeitung „Hamburger Morgenpost“. Die Schweizer Medienholding, deren Vorstandsvorsitzender Barlach war, hält weiterhin Aktienanteile an Suhrkamp in Höhe von 39 Prozent. An diesem Mittwoch ist Hans Barlach im Alter von 59 Jahren gestorben.

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