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Buchmesse-Gastland Slowenien? : Hier ist der Bienenfleiß zu Hause

Honig aus eigener Produktion

Wird es das je? Man weiß es nicht, und es hängt nicht viel davon ab. Da sich kleine Auflagen und ein Leben im Schatten der großen europäischen Sprachen in Slowenien von selbst verstehen, darf es umso vehementer um Bilder, Stimmungen und Ideen gehen. Die Klage, dieses oder jenes Buch sei kein Bestseller geworden, fällt jedenfalls nicht. Erst, so heißt es, müssen es die Autoren in österreichische, besonders Kärntner Verlage schaffen; danach in deutsche.

Ein paar Tage zuvor habe ich mir einen privaten Ortstermin bei den Bienen erlaubt. Aleš Śteger hatte mir empfohlen, einen Imker zu treffen, um tiefere Einblicke in das slowenische Kulturempfinden zu gewinnen. Ich müsse bedenken, sagte er, dass die Slowenen sich mit der Krainer Biene identifizierten. „Das war auch in Jugoslawien die bizarre Identitätskonstruktion: die fleißigen slowenischen Bienen gegen die nichts tuenden Balkanesen.“

Das wollte ich von Gorazd genauer wissen, einem großen, kräftigen Mann von Anfang vierzig, den die Menschen in Ljubljana anrufen können, wenn sich ein Bienenschwarm vor ihrem Fenster festgesetzt hat. Zu diesem Zweck sind lange Leitern auf seinen Wagen gespannt, auch Maske und Handschuhe hat er immer bei sich. Die Feuerwehr könnte das natürlich auch, erzählt er, aber sie hat keine Zeit, mit den Bienen sanft umzugehen. Dafür ist Gorazd da. Er „entfernt“ die Schwärme nicht, sondern rettet sie für seine eigene Sammlung. Auf diese Weise hat er inzwischen 25 Bienenstöcke angelegt. Nach dem Prinzip „Rent a beehive“ betreut Gorazd auch Bienenstöcke für Hotels, Kulturzentren und Privatfirmen, die ihre Kunden mit Honig aus eigener Produktion überraschen wollen.

Das Motto lautet Honig und Verse

An diesem Tag überprüft Gorazd zwei Bienenstöcke auf einem Hoteldach und lässt mich die Wabenkästen halten. „Die erste Viertelstunde muss man nutzen“, sagt er, „dann sind sie noch ruhig. Später werden sie kribbelig. Und wenn sie merken, dass der Mensch nervös wird, weil die Bienen nervös sind, werden sie noch nervöser. Und dann stechen sie.“ Erst letzte Woche hat es ihn selbst erwischt: fünfzig Stiche. Fieber, Bettruhe, drei Tage lang Schmerzmittel.

Slowenien besitzt nicht nur die wichtigste Bienenspezies, die an viele Orte der Welt exportiert wird, sondern kann in Anton Janša auch auf den Pionier des Imkergewerbes verweisen. Janša war der erste Direktor der 1769 von Kaiserin Maria Theresia gegründeten Bienenschule, die später unter dem Namen Theresianische Imkerschule bekannt wurde. Als Biologe, Verhaltensforscher und praktischer Erfinder von Bienenkästen, etwa des „Krainer Bauernstocks“, der durch seine Handlichkeit unter Imkern noch heute Popularität genießt, wurde er so etwas wie der Säulenheilige der Imkerei. Dass er auch Bücher verfasst hat, versteht sich von selbst. Der internationale Dachverband der Imkervereinigungen hat kürzlich Janšas Geburtstag, den 20. Mai, zum Weltbienentag ausgerufen.

„Feuerwehrleute und Bienenzüchter“, sagt Gorazd, „sind die best organisierten Berufsgruppen in Slowenien. Wir haben mehr als 100.000 Feuerwehrmänner in Slowenien. Und rund 90.000 Imker.“ Zur Zahl der Dichter mochte er sich nicht äußern, aber man weiß ja, dass es viele sind. Brot und Spiele, hieß es mal, wolle das Volk. In Slowenien lautet das Motto: Honig und Verse.

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