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Roman über das „System Putin“ : Wie das Gute hinter Gitter kam

Menschen mit Mission: Die belarussischen Journalistinnen Darja Tschulzowa (links) und Katerina Bachwalowa wurden Anfang 2021 in Minsk zu je zwei Jahren Haft wegen Unterstützung von Protesten verurteilt. Bild: EPA

Sasha Filipenko stammt aus Belarus. In seinen Romanen hat er die Entwicklung Osteuropas vorhergesagt. Jetzt erscheint auf Deutsch „Die Jagd“: das Porträt des Systems Putin mit dessen Unterdrückung allen gesellschaftlichen Eigenlebens.

          7 Min.

          Kaputtmachen ist nicht auf­bauen – die Seele tut nicht weh“ (Lomat ne stroit – duscha ne bolit), lautet ein russisches Sprichwort. Es erklärt, wa­rum das Zerstören leichter fällt als das Schaffen: Man braucht nichts von sich zu investieren. Diese Redensart, die auch den Nationalcharakter beschreiben soll, geht einem in diesen Tagen nicht aus dem Sinn, da die russische Armee ukrainische Wohngebiete mit Artillerie be­schießt, um das Land unter dem grotesken Vorwand, dessen frei gewählte Regierung bestünde aus Nazis, und Ukrainer hätten einen „Genozid“ an Russen verübt, zu „befrieden“ und als Vasallenstaat in Russlands Einflusszone zurückzuzwingen.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Was schon der Philosoph Nikolai Berdjajew (1874 bis 1948) an vielen seiner Lands­leute zu beobachten glaubte, eine soziale Intelligenz, die sich vorzugsweise in Ge­meinheiten kundtue, während sie für konstruktives Handeln zwei linke Hände hätten, das scheint sich bei Putins Feldzug in grandiosem Ausmaß zu bestätigen. Russlands immer brutalere Methoden, das gen Westen strebende Nachbarland an sich zu fesseln, haben erst vitale ostukrainische Städte wie Do­nezk und Lugansk kaputtgemacht und sollen nun offenbar die Metropolen Charkiw und Kiew (das als „Mutter der russischen Städte“ gilt), in Schutt und Asche legen. Das offizielle Ziel der Operation, die „Entnazifizierung“ eines Landes, das von einem rus­sischsprachigen Juden angeführt wird, klingt wie Hohn. Der Tod Tausender Soldaten und Zivilisten, ein ewiger Hass ­zwischen den Völkern, wovor patriotische Ve­teranen gewarnt hatten – all das scheint der Oberkommandierende nicht als Pro­blem zu betrachten.

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