https://www.faz.net/-gr0-9c104

Abgelehnt von Random House : Neuer Verlag hat sich Sarrazin-Buch „geschnappt“

  • Aktualisiert am

Thilo Sarrazin diskutiert in der RTL-Talksendung „Der Heiße Stuhl“ (2016) unter anderem mit der muslimischen Buchautorin Khola Maryam Hübsch. Bild: ZB

Vorschuss hatte es gegeben, aber die Veröffentlichung bei Random House soll ausfallen: Jetzt hat sich ein Verlag für Thilo Sarrazins neues Buch über den Islam gefunden.

          Im Streit um die Veröffentlichung des neuen Buchs von Thilo Sarrazin, das Random House, der bisherige Verlag des Bestseller-Autors („Deutschland schafft sich ab“), abgelehnt hatte, hat sich ein neuer Verlag gefunden. Das Online-Branchenmagazin „boersenblatt.net“ zitiert den Pressesprecher der zum Bonnier-Konzern gehörenden Münchner Verlagsgruppe, Julian Nebel, mit den Worten, die MVG habe sich das Buch „geschnappt“.

          Wie zunächst die „Bild“-Zeitung berichtet hatte, hatte Sarrazin mit Random House im November 2016 einen Vertrag über die Veröffentlichung eines neuen Werks geschlossen. Unter dem Titel „Feindliche Übernahme - Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ setze sich Sarrazin, ehemals Vorstandsmitglied der deutschen Bundesbank, nach Angaben des MVG-Sprechers grundlegend mit Fragen des Islams und den Folgen der Einwanderung von Muslimen nach Deutschland und Europa auseinander.

          Im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung sagte Sarrazin, dass Random House „nach langem Hin und Her über den Veröffentlichungstermin“ schließlich Anfang Mai entschieden habe, das Buch überhaupt nicht zu veröffentlichen. Grund dafür seien Sarrazin zufolge Bedenken an der Spitze des Verlages, dass das neue Buch islamkritische Stimmungen aufgreifen und verstärken könne.

          Markus Desaga, Presseleiter des zu Random House gehörenden Verlags DVA Sachbuch, bestätigte gegenüber „boersenblatt.net“ eine Auseinandersetzung mit Sarrazin über „ein unveröffentlichtes und nicht angekündigtes Buch“, die am Montag vor Gericht verhandelt werde. Der Verlag wolle das nicht angekündigte Buch allerdings weder stoppen, noch seine Publikation erschweren oder verhindern. „Dem Autor steht es frei, sein Buch jederzeit in einem anderen Verlag zu publizieren.“

          Einen Grund für die Ablehnung der Veröffentlichung nannte Desaga nicht. Kollege Julian Nebel von der MVG zufolge, bei der Sarrazins neues Werk bei FinanzBuch erscheinen soll, habe sich auch der neue Verlag die Veröffentlichung gut überlegt, aber zu einer freiheitlichen Demokratie gehöre es, dass alle Meinungen vertreten sein dürfen, solange sie nicht gegen rechtliche Vorschriften verstoßen.

          Weitere Themen

          Tödliche Behandlung

          Der „Tatort“ aus Stuttgart : Tödliche Behandlung

          Der Zuschauer wird zum vierten Ermittler und erlebt die Begleiterscheinungen eines harten Jobs hautnah mit: Der Stuttgart-„Tatort“ geht ins Pflegenotstandsgebiet.

          „Little Joe“ Video-Seite öffnen

          Filmclip : „Little Joe“

          Auch in Konkurrenz um die Goldene Palme: Das Science-Fiction-Drama „Little Joe“ von Jessica Hausner, der am 17. Mai 2019 im Rahmen der 72. Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Premiere feierte.

          „A Hidden Life“ Video-Seite öffnen

          Filmclip : „A Hidden Life“

          Das biografisch gefärbte Filmdrama „A Hidden Life“ von Terrence Malick feierte auf den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2019 seine Premiere und konkurriert dort um die Goldene Palme.

          Topmeldungen

          Österreichs Regierung am Ende : Pech für die Wirtschaft

          Das Aus der schwarz-blauen Regierung ist folgerichtig. Doch wirtschaftlich hat das Bündnis mehr hinbekommen als die Vorgängerregierung. Hoffentlich fällt das Land nicht zurück in Stillstand.
          Die 45. Internationale Waffen-Sammlerbörse im März in Luzern

          Mit rund 64 Prozent : Schweizer stimmen für schärferes Waffenrecht

          Die Eidgenossen haben sich den Verbleib im Schengen-Raum gesichert: Eine Mehrheit sprach sich für die Übernahme der verschärften Waffenrichtlinie der EU aus. Bei einer Ablehnung wäre die Mitgliedschaft automatisch nach sechs Monaten erloschen.
          Werner Bahlsen

          Bahlsen gibt Fehler zu : „Es muss alles auf den Tisch“

          Der Bahlsen-Verwaltungsratsvorsitzende kündigt an, dass die Geschichte des Unternehmens fundiert aufgearbeitet werden soll. Was seine Tochter gesagt habe, sei falsch.

          Wie weiter mit dem Brexit? : Das britische System liegt in Trümmern

          Womöglich kann das britische Parlament einen „No Deal“ nach der Europawahl nicht mehr verhindern. Dann müsste die EU sich auch an die eigene Nase fassen – sie hat zur Polarisierung der Politik im Vereinigten Königreich beigetragen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.