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Rolle des Literaturbetriebs : Psychogramm eines Kritikers mit Minderwertigkeitskomplex

  • -Aktualisiert am

„Wir sitzen alle auf demselben Baum“: Während der Frankfurter Buchmesse hat die Literaturkritik ihren größten Auftritt des Jahres Bild: Vogl, Daniel

Steht das Ende der bürgerlichen Kultur bevor? Die Akademie für Sprache und Dichtung streitet über die Bedeutung von Literaturkritik heute. Etwas mehr Mut hätte gut getan.

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          Eine schlechte Literaturkritik sei nach drei Tagen vergessen, sagte der Schriftsteller Friedrich Christian Delius genüsslich. Das Podium, auf dem er sprach, stand unter dem Thema „Literaturkritik aus der Sicht der Kritisierten“. Anschließend beschäftigte Delius sich ausführlich mit einer vierundzwanzig Jahre alten Kritik seines Buches „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“, um sie fast Satz für Satz zu widerlegen, dem Rezensenten Fehler sowie Borniertheit nachzuweisen und bei sich selbst eine Verletzung anzuzeigen, die schwer genug sei, um dem Verletzenden noch heute Rotwein dafür übers Hemd zu schütten. Wenn sie noch immer so nachwirkt, war dies also doch eine gute Kritik gewesen?

          Jan Wiele
          (wiel), Feuilleton

          So beleidigt das Delius-Beispiel klingt, so rührend ist es zugleich. Zeigt es doch eine im Grunde heile Welt des Literaturbetriebs – jene alte Welt, in der noch ein Walser oder Handke schwer getroffen mit Marcel Reich-Ranicki abrechnete, der dann wiederum nachlegte, und in der es eine Öffentlichkeit gab, die sich für das alles brennend interessierte. Die Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung stellte nun die Frage, ob es diese Welt überhaupt noch gibt.

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