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Leipzig ohne Buchmesse : Was vom Lesen übrig blieb

Eine Stimmung, die wir in diesem Jahr vermissen werden: Besucher der Leipziger Buchmesse im Abendlicht in der Glashalle Bild: Picture-Alliance

Eigentlich hätte Leipzig jetzt im literarischen Überschwang der Buchmesse gelebt. Nach der Absage wegen Corona wollte man möglichst viel vom Begleitprogramm retten. Doch der gute Vorsatz allein reicht nicht.

          7 Min.

          In diesen Leipziger Tagen ohne Buchmesse brandete der größte Leserapplaus am Donnerstagabend im Literaturhaus der Stadt auf: nach der Ankündigung zu Veranstaltungsbeginn, man werde sich mit dem allbeherrschenden Thema der Corona-Epidemie in den kommenden anderthalb Stunden nicht beschäftigen. Der Beifallssturm kündete vom Willen des Publikums, sich nicht alle schönen Seiten des Lebens durch die Angst vor Ansteckung nehmen zu lassen. Und so war der Saal denn auch voll besetzt. Es war die bestbesuchte unter den verbliebenen Veranstaltungen von „Leipzig liest“, dem die Buchmesse begleitenden Lesungsprogramm, das zusammen mit ihr in der vergangenen Woche eigentlich abgesagt, aber von einzelnen Veranstaltern als „Leipzig liest trotzdem“ wiederbelebt worden war. Oder sagen wir besser: wiederzubeleben versucht worden war. Denn der Wunsch nach vom Coronavirus unbehelligten Lesefreuden war natürlich eine Illusion.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Dabei war der Abend im Literaturhaus in vielerlei Hinsicht ein glücklicher Sonderfall. Thorsten Ahrend, der Leiter des Hauses, hatte sich seit der Messeabsage darum bemüht, so viel von seinem Programm zu retten wie nur möglich. Doch dafür brauchte es mehr als die eigene Absicht, zum Beispiel auch die Mitarbeit der Verlage. Die war seitens der großen Unternehmen im Regelfall nicht zu bekommen – auch weil sie keine Fragen unter den eigenen Autoren provozieren wollten, warum denn Einzelne doch noch in Leipzig lesen dürften. Aber S. Fischer hielt es anders und unterstützte weiterhin den Auftritt im Literaturhaus: Zu Gast war Ingo Schulze mit seinem neuen Roman „Die rechtschaffenen Mörder“. Schulze ist in diesen Tagen so etwas wie der personifizierte Durchhaltewille der deutschen Literatur; am Vorabend war er in Berlin aufgetreten, am Freitagabend hätte er im Literaturhaus Halle lesen sollen (aber die Stadt Halle sagte just am Donnerstag alle öffentlichen Veranstaltungen bis Ende März ab), und für den heutigen Samstagabend ist Schulze gleich noch einmal in Leipzig angekündigt, als eine Art Herzenssache: in der innerstädtischen Connewitzer Verlagsbuchhandlung, wo vor 25 Jahren eine seiner ersten Lesungen überhaupt stattgefunden hatte. Auch diese Veranstaltung ist ausverkauft.

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