https://www.faz.net/-gr0-897os

Nach Pegida-Kundgebung : Random House sperrt Bücher von Akif Pirinçci

  • -Aktualisiert am

„Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb“: Mit dieser Äußerung hat Rechtspopulist Akif Pirinçci bei der Pegida-Kundgebung in Dresden für Aufsehen gesorgt. Der Satz hat Folgen – auch für Pirinçcis Katzenkrimis.

          Nach Akif Pirinçcis Äußerungen in Dresden ermittelt nun nicht nur die Staatsanwaltschaft. Auch die Verlagsgruppe Random House hat Konsequenzen gezogen und die Bücher aus Pirinçcis Reihe „Felidae“ gesperrt. Die Katzenkrimis des bekannten Rechtspopulisten waren bei den Verlagen Diana, Goldmann und Heyne erschienen, die zur Gruppe Random House gehören.

          Zum ersten Jahrestag der Pegida-Demonstrationen hat Pirinçci am Montag in Dresden eine Rede gehalten, die für Aufsehen gesorgt hat. Auf die Spitze trieb er es mit der Aussage, es gebe andere Alternativen, aber die KZs seien leider derzeit außer Betrieb. Diesen Satz hatte Pirinçci in seiner islamfeindlichen Rede jedoch nicht auf die Flüchtlinge bezogen. Er stand im Zusammenhang mit der Aussage, heutige Politiker seien „Gauleiter gegen das eigen Volk“. Auf wen sich Pirinçci mit dem KZ-Satz beziehen wollte, ist nur schwer nachzuvollziehen. Claudia Hanssen, Sprecherin bei Random House, bezeichnet Pirinçcis Äußerung als „stilistisch sehr merkwürdig“ und als „Verbrechen an der deutschen Grammatik“. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt wegen Volksverhetzung.

          Der Autor ist nicht erst seit dieser Rede vor mehr als zehntausend Pegida-Anhängern als Rechtspopulist bekannt. Für Random House war das bisher kein Grund, die Krimis aus dem Programm zu nehmen. „Seit gestern hat Akif Pirinçci bei uns keine verlegerische Heimat mehr“, sagt Hanssen an diesem Dienstag. Seit längerem sei man bei Random House mit vielen Äußerungen von Pirinçci nicht einverstanden gewesen. „Grundsätzlich ist die Beziehung zwischen einem Autor und seinem Verlag aber eine relativ heilige Geschichte“, sagt Hanssen. Pirinçcis bisherige Äußerungen seien außerdem unter das gefallen, was das Grundgesetz mit dem Recht auf Meinungsfreiheit schützt. Mit dem KZ-Satz sei das Fass nun übergelaufen.

          Random House hat von Pirinçcis Äußerung in Dresden aus den Medien erfahren. Die Entscheidung, die Bücher des Autors zu sperren, stehe nicht in Verbindung zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Sie sei schon vorher gefallen. Unterdessen hat Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) die Einleitung von Ermittlungen begrüßt. „Wer hetzt, kann sich nicht auf die freie Meinungsäußerung berufen“, sagte Tillich. „Er hat die Grenze der Meinungsfreiheit längst überschritten.“

          Noch kann man Pirinçcis belletristische Werke auf den Webseiten der Verlage in den Warenkorb legen. „Das Datensystem wird über Nacht aktualisiert“, sagt Hanssen. Sobald dieser technische Vorgang abgeschlossen sei, werden auch Buchhändler Pirinçcis Bücher nicht mehr bestellen können.

          Sein Sachbuch „Deutschland von Sinnen“, in dem der Autor gegen Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer wettert, ist weiterhin erhältlich. Es wurde nicht von der Verlagsgruppe Random House, sondern von Thomas Hoofs Manuscriptum Verlag herausgegeben. Hoof ist der Gründer des Versandhauses Manufactum. Dieses hat Hoof vor Jahren an den Otto-Konzern verkauft.

          Weitere Themen

          Anspruchsvolle Mint-Fächer

          Hohe Abbruchrate : Anspruchsvolle Mint-Fächer

          Studenten aus dem Mint-Bereich fühlen sich oft überfordert und brechen ab. Das liegt auch an fehlenden Kenntnissen aus dem Schulunterricht. Könnten verpflichtende Vorkurse daran etwas ändern?

          Topmeldungen

          Erstes Zeitungsinterview : AKK stellt sich vor ihre Soldaten: „Kein Generalverdacht“

          In ihrem ersten Zeitungsinterview als Verteidigungsministerin spricht Annegret Kramp-Karrenbauer über ihr Verhältnis zum Militär, über das Vermächtnis der Männer des 20. Juli und über den Lieblingspulli ihrer Teenagerzeit. Auch in kritischen Zeiten werde die Truppe ihr Vertrauen genießen.
          Freiherr von Boeselager sind humanitäre Missionen wichtiger als die prunkvollen Traditionen des Malteserordens. Deswegen ist er oft vor Ort, wie hier bei einem Schlafkrankheitspatienten im südsudanesischen Yei.

          FAZ Plus Artikel: Malteserorden : Der bescheidene Großkanzler

          Albrecht Freiherr von Boeselager führt den ehrwürdigen Malteserorden. Als Großkanzler bricht er mit der Tradition – damit der Orden besser helfen kann. Das macht ihm nicht nur Freunde.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.