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Aktion gegen Goethe : Geistlos, ahnungslos

Und wer muss den Abfall nun beseitigen? Die Hinterlassenschaft der „Frankfurter Hauptschule“ in Goethes Garten in Weimar. Bild: dpa

Die Künstlergruppe „Frankfurter Hauptschule“ hat sich etwas einfallen lassen, um gegen Goethes Frauenbild zu protestieren. Sie bewirft Goethes Gartenhaus in Weimar mit Klopapier. Geht es noch dümmer?

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          Haben wir geahnt, was dieser Goethe für ein Sittenstrolch war? Sein Gedicht „Das Heidenröslein“ endet so: „Und der wilde Knabe brach / ’s Röslein auf der Heiden. / Röslein wehrte sich und stach, / Half ihm doch kein Weh und Ach, / Mußt’ es eben leiden. / Röslein, Röslein, Röslein rot, / Röslein auf der Heiden.“ Als hätten das nicht schon Generationen von Interpreten als Allegorie auf eine Entjungferung gedeutet, posaunt ein selbsternanntes Künstlerkollektiv namens „Frankfurter Hauptschule“ nun heraus: „In seinem Gedicht ,Heindenröslein‘ (sic!) verharmlost Goethe gar eine brutale Vergewaltigung in lieblichem Trällerton . . . Kinder müssen das auswendig lernen.“

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Fürs Kollektiv offenbar der Gipfel angesichts Goethes Werk, das „strotzt vor erotischen Hierarchien zu Ungunsten seiner Frauenfiguren“, um das Kritiker von Kunstwerken sexistischen Inhalts aber bislang einen Bogen gemacht hätten. Deshalb beschloss das Kollektiv, am vergangenen Dienstag Goethes Gartenhaus in Weimar „zu schänden“. Worunter es versteht, das Gebäude in Klopapier eingewickelt zu haben.

          Das hat offenbar niemand in Weimar bemerkt – wahrscheinlich hatte das Ausrollkommando das Häuschen auch wieder ausgewickelt und damit durch enthüllende Preisgabe gleich noch einen weiteren Schändungsakt vollzogen geglaubt –, weshalb die Gruppe gestern selbst auf ihre Aktion hinweisen musste. Dass sie ihre Farce „Schändung“ nennt und damit ein Sexualverbrechen verbal lächerlich macht, passt zur ebenso geist- wie kenntnislosen Argumentation.

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