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Protest gegen Amazon : Mal sehen, was die nächste Schweinerei ist

  • Aktualisiert am

Nina George Bild: Maurice Kohl

Wie geht es weiter mit den Protesten von Autoren gegen Amazons Geschäftsmodelle auf dem Buchmarkt? Fünf Fragen an Nina George, eine der deutschen Organisatorinnen des Protests.

          FRAGE: Sie sind eine der deutschen Organisatorinnen des Autorenprotests gegen Amazon. Was ist auf der Buchmesse passiert?

          ANTWORT: Amazon hat es trotz mehrmaliger Einladung abgelehnt, mit der Initiative Fairer Buchmarkt vor Messepublikum zu sprechen. Alle AutorInnenverbände, die die Initiative unterstützen, sind in Frankfurt: PEN, VS, BVjA, die IG AutorInnen und das Syndikat beteiligten sich mit fünf Podien, organisierten Guerrilla-Aktionen wie „Fairer Tausch“ am Stand des Bundesverbands Junger AutorInnen, luden den amerikanischen Autor Robert Levine („Free Ride“) zu einer Debatte über Amazons Langzeitstrategien ein. Am Sonntagabend wird Kulturstaatsministerin Grütters den PEN/VS-Stand besuchen. Ich selbst habe die Messewoche aber genutzt, um während des Three-Seas-Writers’-and-Translators-Kongresses „Censorship and Freedom of Expression“ Kollegen aus 26 Nationen einen Einblick in Amazons „book banning“ im Bonnier-Fall zu geben. Das hilft dabei, die Initiative auf internationales Niveau zu stemmen.

          Wie kann eine internationale Bündelung der Kräfte gegen Amazon aussehen?

          Wir können Zehntausende KollegInnen mobilisieren. Nicht nur gegen Machtmissbrauch von Monopolisten, sondern auch für eine aktive Debatte, wie sich Flatrate-Mentalität, TTIP, Web-Piraterie und politisches Desinteresse auf die Zukunft des Schriftstellerberufs auswirken.

          Warum ist der Protest in den Vereinigten Staaten und Deutschland so massiv? Sind Autoren anderer Regionen glücklicher mit Amazon?

          Amazon macht nicht glücklich - aber manche AutorInnen weniger unglücklich. Amazon bietet bequemes Publizieren ohne Angst, bei dem die oft als demütigend empfundenen Zwischenschritte wie Akquise, Vorschuss-Geschacher, Textkritik, mühsames Lektorat und Korrektur wegfallen. In vielen Regionen ist Amazon aber auch inexistent oder schwächer aufgestellt - nur in den wichtigsten Buchmärkten Amerika und Deutschland mischt es mit, und umso konzentrierter fällt der AutorInnen-Aufschrei aus. Und er wird noch lauter, denn viele AutorInnen, deren Bücher sich zum Beispiel in der Unlimited-Flatrate wiederfinden, wussten gar nichts von ihrem „Glück“.

          Mit Herta Müller haben Sie jetzt nach Elfriede Jelinek die zweite Nobelpreisträgerin als Unterstützerin gewonnen. Wie viele Schriftsteller haben sich bislang dem Protest angeschlossen?

          2015 Autorinnen und Autoren, zuletzt etwa Frank Schätzing. Neulich ist halb Österreich reingekommen.

          Und wie geht es jetzt konkret weiter?

          Das kommt auf die nächste Schweinerei an. Wir müssen uns klar sein, dass sich „AutorIn 3.0“ grundsätzlich zorniger einbringen muss. Gute Geschichten schreiben ist nicht mehr genug.

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